Samstag, März 10, 2012

Zwei deutsche Deppen beim italienischen Psychiater

Nach Monate langen Bemühungen, dieses Video hier hochzuladen und zu bloggen, was ständig sabotiert wurde, ist es endlich gelungen:

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Der deutsche Strafverteidiger und Enkel eines Nazi-Promis, Von Schirach, der seine Mandanten-Tatsachen zu lukrativen Krimi-Stories verwurstet und stolz darauf ist, selbst die perversesten, himmelschreiend Opfer-demütigenden Gerichtsurteile als erwachsen, weil (angeblich) rechtstaatlich korrekt, zu verteidigen, hat sich fürs Fernsehen, also für Geld, mit dem österreichischen Filmemacher Michael Haneke, von dem manche (wohl zu recht) sagen, der sei ein reaktionärer alter Mann, in Venedig getroffen. Zusammen haben sie den venezianischen Psychiater Ramacciotti besucht, von dem die beiden reiferen europäischen Herren erstmals in ihrem Leben erfahren, dass in Italien schon seit über 20 Jahren die geschlossenen psychiatrischen Anstalten abgeschafft sind.

Zunächsteinmal ist es ziemlich erschütternd, das zwei seit langem erwachsene deutsche Europäer, die relativ benachbart zu Italien leben und sich beruflich mit psychisch abweichendem Verhalten beschäftigen - der eine als Strafverteidiger, der andere als Filmemacher - nicht mitbekommen haben, dass in Italien schon seit den 70er Jahren daran gearbeitet wurde, alle geschlossenen Psychiatrien abzuschaffen, was dann tatsächlich schon vor über 20 Jahren gelungen ist. Das ist sensationell, einzigartig und vorbildlich, aber diese beiden Knalltüten haben das nicht mitbekommen, erzählen dem deutschen Publikum aber seit Jahren, der eine als Jurist, der andere Filmemacher, wer falsch und wer richtig tickt.

Im Gespräch benimmt sich Von Schirach beim Facharzt reichlich unverschämt: erst redet er Minuten lang nur mit Hanecke, ignoriert dabei völlig den Gastgeber, um dann später umso zudringlicher auf diesen einzureden, als sei der ein kleines dummes Kind. Als Krönung des Ganzen spricht von Schirach permanent genau so plüschig weich, wie er es als ekelhafte Eigenschaft den deutschen psychiatrischen Anstalten attestiert, und merkt es vor lauter Selbstgefälligkeit offenbar nicht einmal.

Und Von Schirach widerspricht sich inhaltlich selbst. So stellt er den deutschen psychiatrischen Massregelvollzug einerseits als humane Errungenschaft dar, für Menschen, die auf Grund einer attestierten psychischen Erkrankung als nicht schuldfähig beurteilt werden, also quasi als zivilisatorischer Fortschritt werden diese Leute nicht mit Gefängnis bestraft, sondern im Krankenhaus behandelt; aber im gleichen Gespräch erklärt er, dass der Massregelvollzug eigentlich viel schlimmer ist als Gefängnis und man lieber im Knast als in der Psychiatrie sein wolle. Somit entlarvt sich die angeblich rücksichtsvolle Unterscheidung in schuldfähig gesund und schuldunfähig krank, tatsächlich als keine Hilfe, sondern als zusätzliches Repressionsinstrument: die Schuld unfähigen Kranken werden härter bestraft und faktisch länger in Haft gehalten, als die Schuld fähigen Gesunden.
Und wäre man konsequent müsste man eigentlich alle Kinderschänder aus dem Gefängnis und in psychiatrische Anstalten stecken, denn eine sexuelle Fixierung auf Kinder gilt als psychisch krank. Tatsächlich aber scheinen die meisten verurteilten Kinderschänder im Gefängnis zu sein.
Aber vor allem dient der Massregelvollzug in Deutschland dazu, Leute nach 15 Jahren "lebenslänglich" noch weiter in Haft zu halten. In Italien offenbar unmöglich. Erstaunlich eigentlich, wie wenig man über europäische Nachbarländer so weiss, in Fragen wo bei uns die Meinungswogen hoch schlagen.