Dienstag, August 09, 2005

Ärztelatein
Gestern zufällig in Spiegel-TV einen Teil einer Reportage über Ärzte einer ostdeutschen Klinik gesehen. Insbesondere begleiteten die einen, der dann etwa 72 (?) Stunden im Dauereinsatz war. Der konnte trotz glücklichem Grinsen auf Nachfrage nicht mal mehr ausrechnen, wieviele Stunden er schon im Einsatz ist, so übermüdet war der.
Die auf der Hand liegende Frage, warum kein ausgeschlafener Kollege ihn nicht schon am Ende des ersten Tages abgelöst hat, fand ich nicht beantwortet.
Es gibt ja nicht zu wenig Ärzte, sagt selbst der Präsident der Bundesärztekammer, Deutschland hat noch immer eine der höchsten Ärztedichten, tausende Ärzte haben noch Zeit und Energie, jedes Wochenende nach England zu jetten, um dort zu arbeiten, und aus Osteuropa bieten sich günstige Ärzte für Deutschland an. Warum gibt es dennoch solch extreme Überstunden? Das hat Spiegel-TV nicht beantwortet - oder ich habe zu früh weggeschaltet.

Auch jetzt wieder ein Bericht bei SpOn über Ärzte scheint mir eine Veräppelung der Leser: Da soll mit irgendwelchen Zuwachsraten im internationalen Vergleich irgendwas belegt werden, was aber völlig wertlos ist, wenn die Basis verschwiegen wird, auf der die Zuwächse passieren.

Auch die Pauschal-Aussage, die Gesundheitskosten stiegen weil die Gesellschaft immer älter und kränker würde, ist irreführend. Immer weniger Kinder heisst auch, dass es immer weniger kostenlos mitversicherte Familienmitglieder gibt, die Geld kosten, aber nichts einzahlen (bei Studenten bis zu 25 Jahre lang, also ein viertel Jahrhundert). Faktisch bedeutet die auf dem Kopf stehende Alterspyramide also eine zeitweilige Finanzspritze für das Gesundheitssystem.

Immer kränker werden wir oft nicht trotz der deutschen Ärzte, sondern jedes Jahr vieltausendfach DURCH deutsche Ärzte.
Es kann kein ernsthafter Zweifel daran bestehen, daß die Medizinschäden eins der größten, wahrscheinlich sogar das größte Schadensgebiet in der Bundesrepublik sind. Das gilt zumindest für Personenschäden. Diese Tatsache ist in der Öffentlichkeit aber nicht hinreichend bekannt, weil Ausmaß und Häufigkeit von Behandlungsfehlern zu den bestgehütetsten Geheimnissen unseres Medizinbetriebs gehören.
Quelle