Montag, Mai 31, 2004

Arztkontakt ist die häufigste Todesursache - vor Herzinfarkt, Suizid und Verkehrsunfall,

laut Studien aus den USA, sagt ein Wiesbadener Arzt selbst, in einem lesenswert positiven Artikel: Es gibt zu viel Medizin

Erinnert mich an eine Bemerkung von Günter Jauch vor Jahren bei Maischberger auf ntv, wohl auf die Frage nach seiner Befindlichkeit, er meinte, es gehe ihm prima, denn er halte sich von Ärzten fern, gehe ihnen möglichst aus dem Weg.

Aus leider eigener Erfahrung muss ich o.g. leider bestätigen. So war beispielsweise der Tenor resp. die Argumentation in einem ärztlichen Gutachten derart, dass ich den Eindruck hatte, die Mediziner sehen es selbst so, wer sich ihnen als Patient anvertraut, begiebt sich freiwillig in einen Raubtierkäfig oder eine Gehege mit wilden Wölfen und hat also selbst Schuld, wenn er gefressen oder nur noch als Fleischklumpen "gerettet" wird.
Die offenbar unantastbare Autonomie des Ärztestandes hatte auch
Er
schonmal thematisiert(leider dort nicht mehr aktuell)

Man braucht sich dazu auch nur mal die Verlautbarungen beispielsweise der Bundesärztekammer bezüglich Patientenrechte/Patientenschutz zu Gemüte führen - dann bekommt man eine Ahnung, welch Geistes Kinder dort für die bekannten Probleme sorgen.

Noch augenfälliger zeigen einem ein paar interessierte Blicke in VeranstaltungsKalender ärztlicher Kongresse und Tagungen, wo der Hase im Pfeffer liegt und es lässt einem die Haare zu Berge stehen, bzw das kalte Grauen schleicht sich ein. Das technoide Reden dieser Leute erinnert mich eher an das Fachgesimpel von Ingenieuren oder Physikern, als das von Ärzten. Wer will sich von solchen androidenhaften Robodocs behandeln lassen? Ich jedenfalls nicht! Kein Vorurteil - das ist bittere Erfahrung!

Bald kommt die sog. elektronische Gesundheitskarte und ich lese dazu in einem Text vom BundesGesundheitsMinisterium, dass die bereits stark im Medizinwesen verbreitete Telematik noch weiter ausgebaut werden soll, so dass alle Kliniken und Arztpraxen, und wohl auch Forschungseinrichtungen, vollständig miteinander verbunden sind. Es gebe bereits Grundsteine dafür, im Rahmen europäischer Projekte, wie etwa TrustHealth und PICNIC.

Dabei entsteht vor meinem inneren Auge das Bild eines gigantischen und perfekt vernetzten Medizin-Apparates - Deutschland weit, Europa weit, Welt weit - mit allen AnsatzMöglichkeiten zur Einflussnahme auf das, was menschliches Leben ausmacht und reguliert: Künstliche Befruchtung, vorgeburtliche Diagnostik, Gebärklinik, Soziologie, Psychologie, Neurologie, Arzneikunde, Chirurgie, Quarantäneabteilung, Sterbeabteilung und noch vieles mehr - und sämtliche Daten, Informationen, Meinungen, Urteile, die jemals von irgend einem Medizin-Insider über einen Patienten oder eine Patientin erhoben, aufgeschrieben und ins System eingegeben werden, sind an jedem Ort in Deutschland und Europa verfügbar.

Auf der anderen Seite liegt, steht oder sitzt der Patient mit einem gesundheitlichen Problem, und möchte gesund werden. Noch dazu wird das sog. Ärzte-Hopping nicht gerne gesehen und soll ausgebremst werden. Wozu braucht es da diesen gigantischen vernetzten MachtApparat?

Mein Fazit: Das Medizinwesen ist nicht für die Bürger da, sondern die Bürger stehen dem sich weltweit vernetzenden Medizinwesen zur Verfügung - egal wo er sich aufhält. Perfekt kontollierbare Verfügungsmasse also. Statt als Kanonenfutter für einen kriegerischen Staat, nun als selektierbare Forschungs-, Übungs-, und Verwertungsmasse für den medizinisch-industriellen Machtkomplex.

Mittwoch, Mai 26, 2004

Zwiespältige Gefühle lassen Blutdruck stärker ansteigen als Abneigung,

las ich neulich unter http://www.wissenschaft.de/wissen/

Menschen mit ohnehin hohem Blutdruck scheinen demnach physiologisch fast dazu gezwungen, ihre Beziehungen deutlich einzuteilen in gut und böse. Jedenfalls tun sie gut daran. Einen differenzierteren Umgang mit den Mitmenschen können sich tendenziell also eher Menschen mit niedrigem oder normalem Blutdruck leisten.
Wieder ein Grund mehr - zu den tausend anderen - warum persönliche Gesundheit auch dem Gemeinwesen zu Gute kommt.

Samstag, Mai 22, 2004

Wie wird man ein Selbstmordattentäter?[fragt und beantwortet die

Telepolis


Ein paar Auszüge aus dem Artikel:

""Die Suche nach einer 'terroristischen Persönlichkeit', so haben wir festgestellt, ist vergeblich." Dennoch wird immer wieder darüber spekuliert und speziell zu den Selbstmordattentätern gibt es einige populäre Stereotypen, die von Medien oder Politikern gerne verwendet werden. So heißt es immer wieder, es handle sich um Geisteskranke, die unbedingt töten oder sich selbst töten wollen. Oder sie seien besonders arm und ohne echte Zukunftsperspektive. Eine These lautet, sie würden durch unerträgliche politische Unterdrückung zu ihrer Tat getrieben oder sie seien schlicht religiöse, speziell islamistische Fanatiker.

Das einzige, was daran stimmt, ist die Tatsache, dass Selbstmordattentäter ausnahmslos Unterdrückung erlebt haben, bevor sie zur Tat schreiten. Sie stammen beispielsweise aus besetzten Gebieten wie die Palästinenser und es ist ihnen klar, dass sie einen militärischen Kampf nicht gewinnen können. Sie sind unterlegen und sie sind verzweifelt, das ist die Grundlage, auf der ein Selbsttötungs-Märtyrerkult gedeihen kann. Oder wie der Hisbollah-Führer Scheich Nasrallah es formulierte:

"Märtyrerakte sind die einzige Waffe, eine Waffe von Gott, die uns niemand nehmen kann. Panzer, Raketen und Flugzeuge können diese Waffe zerstören, aber unsere Liebe zu Gott und unsere Bereitschaft zum Märtyrertod - all das kann niemand zerstören.""
...

"Tatsächlich sind Selbstmordattentäter nicht geistig verwirrter, weniger gebildet, ärmer oder religiöser als der Durchschnitt der Bevölkerung. Bei der Mehrheit findet sich keiner der Risikofaktoren, wie Geistesstörungen oder Schizophrenie, Abhängigkeit von Drogen oder eine Vorgeschichte mit Selbstmordversuchen, die mit Suizid verbunden sind. Letztlich gibt es kein wirkliches Profil. "Sie sind wie du oder ich", meint Rohan Gunaratna, Terrorismusforscher."


Wobei ich mich frage, wo diese ursächliche Art der Unterdrückung anfängt und aufhört.
Hat wohl mal Henryk M. Broder provokativ gefragt, ob schon zum Selbstmordattentäter werden kann, wer von seinem LebenspartnerLebensabschnittsbegleiter unterdrückt wird.
Und ich erkannte, dass sie die Stille nötig hatten.
Denn nur in der Stille kann die Wahrheit eines jeden
Früchte ansetzen und Wurzeln schlagen.


Antoine de Saint-Exupèry

Donnerstag, Mai 20, 2004

In nicht allzu ferner Zukunft wird die Welt von Robotern beherrscht sein. Diese Aussicht braucht uns aber nicht zu erschrecken, denn wir selbst werden diese Roboter sein.
VermummungsVerbot

Stell Dir vor, Du liegst mit akuten Herzproblemen in deinem Bett, hast den Hausarzt gerufen und wartest auf sein baldiges Eintreffen.

Tatsächlich rumpelt es dann vor deiner Zimmertür, die geht auf - und herein stürmt ein Haufen vermummter dunkler Gestalten in Wehrmontur und mit Knüppeln - drischt und knüppelt auf Dich ein - schlägt dich zusammen, schleift dich anschliessend in einen gekachelten Raum, verprügelt Dich nochmal, um dich dann einige Zeit in dieser Isolierzelle allein zu lassen - unter Dauerbeobachtung einer Videokamera.

Nicht in Lateinamerika, Afrika oder China - nein - in Brandenburg passiert sowas Ungeheuerliches unter staatlichem Dach im Knast - und die Sendung KONTRASTE hatte letzten Donnerstag dieses dunkle und schon lange währende Tun ein bisschen augeleuchtet.

Gezeigt wurde eine hilflos wirkende Familie, deren Sohn dermaszen von staatlichen Gewalttätern hinter Mauern malträtiert wurde, dass seine Eltern ihn kaum wieder erkannten. Es war ein trauriger Anblick, diese Menschen, die ihr Erleben und ihre Gedanken kaum mit Worten vermitteln konnten - eine Art Locked-In-Syndrom - am unteren Rand der Gesellschaft, sich ausgeliefert fühlend, der Willkür deren die die Macht haben.

Der andere und aktuell Betroffene mit dem Herzproblem, wäre fast gestorben - quasi Mord durch vermummte Staatsdiener. Jetzt ist endlich - auch durch die Sendung KONTRASTE angestoszen - ein VermummungsVerbot für Staatsdiener im Knast ausgesprochen worden. Denn die etlichen betroffenen Opfer der staatlichen Schlägertrupps konnten sich natürlich juristisch noch weniger wehren, weil sie nicht erkennen konnten, wer sie verprügelt hatte.

Keine Ahnung, wo die Gefangenen-HilfsOrganisation AMNESTY INTERNATIONAL sich in diesen Fällen herumgetrieben hat. MenschenrechtsVerletzungen an einheimischen Knackis locken vermutlich keine Spendengelder. Nicht sehr sympathisch, solches Verhalten.

Montag, Mai 17, 2004

Eine Stadt mit überängstlicher Psychostruktur?

Die "Telepolis" http://www.heise.de/tp/default.html

deutet vorsichtig an: "Konspiration im Cyberspace. Eine Stadt fühlt sich bedroht"

"Der Nachwuchs ist, wie man weiß, virtuos vor allem am Computer, und hyperaktiv obendrein. So haben sich die Schüler zweier High-Schools in Garland, die sich spinnefeind sind, in Chatrooms Sachen zugeschickt, die der jeweils anderen Seite sehr missfielen. Die Erregung stieg und war schließlich im Netz nicht mehr satisfaktionsfähig; man vereinbarte Ort und Zeit, um dem virtuellen Schlagabtausch ein paar echte blutige Nasen aufzusetzen.

Das hat die texanische Presse wachgerüttelt: "Dieser Konflikt wurde im Cyberspace geboren", warnte der Reporter des Star-Telegramms."

"Gangs gewöhnen sich mehr und mehr ans weltweite Netz. Sie machen Werbung im Netz. Sie rekrutieren sich im Netz. Sie benutzen es wie jede andere Branche auch." Robert Walker, Experte für Gang-Kriminalität

Freitag, Mai 14, 2004

Der 1. April ist lange vorbei, ebenso Karneval und Fasching, das Oktoberfest ist noch lange hin und die Sonne sticht auch nicht grade - ist das der erste Fall von BSE beim Menschen? Vielleicht hilft ein Hirnstransplantat.

"Experte fordert freien Organhandel

Eine völlige Legalisierung des Organhandels verlangt der Bayreuther Gesundheitsökonom Peter Oberender.
Oberender weiß, dass heutzutage ein schwunghafter Handel mit menschlichen Organen betrieben wird - trotz bestehender Verbote in Deutschland.

Ethische Bedenken gegen sein Modell weist er zurück: Mit Organen werde ohnehin gehandelt, nur gegenwärtig zu menschenunwürdigen Bedingungen. In Indien ist eine Niere nach seinen Angaben für 1500 Euro zu haben. Allerdings stürben 60 Prozent der Spender nach der Organentnahme wegen der schlechten oder ganz fehlenden Nachsorge.

Der Organhandel soll nach Oberenders Vorstellungen im Internet stattfinden und den Charakter einer Auktion erhalten. "Wenn etwa ein Organ angeboten wird, das für mehrere Empfänger in Frage kommt, muss natürlich auch der Staat oder die betreffende Krankenkasse mitbieten, um sozial schwächere Patienten an der Versorgung teilhaben zu lassen", so Oberender.

Am freien Handel mit Organen wie Nieren würde sich der Gesundheitsökonom allerdings höchstens als Käufer beteiligen. "Meine Nieren sind gegenwärtig unverkäuflich. Das Risiko ist mir zu hoch.""

Zitate aus www.spiegel.de

Donnerstag, Mai 13, 2004

KrankenTötungen


Falsches Mitleid - tödliche Konsequenzen

Mittwoch, Mai 12, 2004

Die Willkür der Halbgötter

Seit geschlagenen 23 Jahren weigern sich Medizinprofessoren der Universität Münster, einem Chirurgen die Hochschullehrerprüfung abzunehmen.

"Professoren bewegen sich in eigenen Angelegenheiten am liebsten wie in einer rechtsfreien Zone", sagt der Wissenschaftsjurist und Hochschullehrer Hartmut Krüger. So meinen die Gelehrten oft, die Hochschullehrerprüfung sei so etwas wie die Aufnahme in einen privaten Club - also alles andere als ein Verfahren zur Sicherung der Lehrqualität, als das die Habilitation ursprünglich einmal eingeführt worden war.


Bericht aus dem Spiegel www.spiegel.de


Aus eigener Erfahrung muss ich das leider bestätigen: Zuviele Med. Prof.s scheinen sich nur nach ihren eigenen Gesetzen zu richten - die durchaus gegen ärztliches Ethos und die Grund- und Menschenrechte gerichtet sein können - unbehelligt von der Justiz.
Privatsphäre

Schon daraus, wer wann mit wem wie lange kommuniziert, lassen sich Profile erstellen. Im Internet verwischen die Grenzen zwischen Verbindungs- und Inhaltsdaten völlig. Wenn ich weiß, zu welcher Webadresse jemand surft, weiß ich auch, welche Inhalte er abruft.

Joe McNamee - Telekommunikationsexperte beim Brüsseler Beratungsunternehmen Political Intelligence und Mitglied der Expertengruppe "Cybercrime" der Europäischen Kommission.
Im Interview mit der Frankfurter Rundschau http://www.fr-aktuell.de

Dienstag, Mai 11, 2004

Schritt für Schritt

Genitalverstümmelung gilt als Folter
Orientierungslos

Ein Arzt steigt schnaufend in ein Taxi.
Der Taxifahrer: "Na, wohin soll es denn gehen?"
Der Arzt: "Fahren Sie mich irgendwo hin,
ich werde überall gebraucht."
Ob ein Pinguin

in der Antarktis tot umfällt, interessiert manche Leute mehr, als das, was in ihrer Stadt in der Strafanstalt oder Psychiatrie passiert.

Gewaltorgien im Strafvollzug – Wie Brandenburger Beamte Gefängnisinsassen verprügeln

Als Knacki scheint man Freiwild zu sein. Mit denen kann man alles machen, weil die nirgendwo Symphathien haben und weil sie im Knast total fremdbestimmt sind - ohne Antrag läuft gar nichts - und der kann einfach nicht angenommen werden - fertig.

Wer mit dem jeweiligen System voll zufrieden ist, der/die wird demnach wohl für Straftäter als Menschen kaum das geringste Verständnis haben.
Wer System kritisch ist, also differenziert denkt, wird auch in Gefängnisinsassen noch Menschen mit Grundrechten erkennen können.

Kein Ruhmesblatt für AMNESTY INTERNATIONAL: Weit weg im Ausland beklagen sie Misstände in Gefängnissen - aber hier im Land gibt es immer wieder o.g. Vorwürfe und die beklagten Verhältnisse in Brandenburg dauern auch schon lange an - aber keiner reagiert - nichtmal DIE Organisation gegen solche staatliche Vergehen. Nervig, immer dieser auf Fernsicht gestellte Blick, der den Dreck vor der eigenen Haustür nicht sehen will - aber Andere kritisiert. Verlängerte Arme des Systems zeigen auf den Schmutz woanders, damit man sich hier umso sauberer fühlen kann.

Montag, Mai 10, 2004

Hörn Sie doch endlich mit Ihren Verschwörungstheorien auf!

Wie kommen Sie darauf, dass ich eine oder mehrere solche habe?

Na, Sie haben doch neulich Ihrem Vater am Telefon erzählt, Sie glaubten überwacht und abgehört zu werden - oder wollen Sie das leugnen!? Und Sie haben sich das auch auf Ihrem PC notiert - geben Sie's zu, oder soll ich Ihnen noch die Datei-Adresse auf Ihrem Rechner nennen? Im Übrigen können wir auch anders - also hörn Sie auf, Ihren Unsinn weiter zu verbreiten.

Ja - aber ...

Nix aber - erkennen Sie die Grenzen, die wir Ihnen setzen - dann geht's Ihnen gut

Ich erkenne nur die Menschen-, Grund- und Verfassungsrechte an - und im übrigen geht's mir schon lange nicht gut.

Dienstag, Mai 04, 2004

Das neue Dr.med.Mabuse-Heft ist draussen:

siehe Link hier rechts --->

"Schwerpunkt "Gewalt im Gesundheitswesen". Darin: Interview mit Claus Fussek - Gewalt gegenüber im Krankenhaus Beschäftigten - Berührungen - gewaltfördernde Institutionen - Patiententötungen.
Außerdem: Gesundheitspolitik – Gesundheit in Schweden - Aromatherapie - Familienhebammen u.v.a."

"In Schweden verdienen Ärzte nur einen Bruchteil dessen, was ihre Kollegen in Deutschland bekommen. Trotzdem gehen deutsche Ärzte neuerdings gern dorthin – weil die Hierarchien flach sind und die Arbeitszeiten eingehalten werden. Dies und noch mehr aus dem ehemaligen Musterland aller Wohlfahrtsstaaten, im aktuellen Heft."

Montag, Mai 03, 2004

Als Ursache für die zunehmende Gereiztheit in der Bevölkerung

vermute ich u.a. die politisch erzeugte Unruhe durch Abbau bei den sozialen Sicherungssystemen. Also Verrat am Sozialen lässt sich wohlmöglich unmittelbar an der Steigerung der Straftaten ablesen. Weniger Gerechtigkeit, mehr Kriminalität/Straftaten, vollere Gefängnisse. Amerika, wir kommen.

Samstag, Mai 01, 2004


Hey, woher kennen die Teile der deutschen Bloggerszene so gut

Es sind die selben (Berufs-?) Blogger, die ganz bequem jene Surfer, die gerne bereitgestellte Kommentarfunktionen tatsächlich auch zum Kommentieren nutzen, dann als sog. "Trolle" abstempeln - vermutlich ohne zu bemerken, dass sie selbst die Troll-Hochburg bilden. Siehe dazu die Troll-Definition in der Wikipedia.

Wie Blinde von der Farbe

„Deutschland hat im internationalen Vergleich überdurchschnittlich viele Ärzte, Fach- und Zahnärzte, Pflegepersonen und Krankenhausbetten“
Deswegen ist Deutschlands "Gesundheitssystem" Spitze, zitiert die http://www.aerztlichepraxis.de

Man fasst sich an den Kopf, bei solchen Argumentationen. Als ob Blinde von der Farbe sprechen.
Welches Gesellschaftssystem wirkt symphatischer, resp. gesünder (schon klar, auf Personen bezogen ist das nicht per se identisch): Eine mit 100 000 Ärzten oder eine mit 1000 Ärzten?

Der womöglich 1001te Grund, warum die Zerstörung von Sexualität ein schweres und asoziales Verbrechen ist

Donnerstag, April 29, 2004

Frauen sind Personen orientiert - Männer sind Sach orientiert. Alle weiteren Eigenarten ergeben sich daraus.

Mittwoch, April 28, 2004

DATENHANDEL

In den USA kann jeder gegen eine Gebühr von z.B. 6 Dollar erfahren, ob sein Arbeitgeber private Schulden hat oder nicht. Umgekehrt läuft die Chose natürlich auch. In den Staaten haben darum Hunderttausende keine Chance, je einen Job zu finden, weil sie irgendwann mit negativen Informationen in den Datenbanken der Auskunfteien gelandet sind. Eine Horrorvorstellung, die keiner für Deutschland ausschließen kann.

Der ganze Text zum Thema
Datenhandel


Ich widerspreche der Nutzung und/oder Übermittlung meiner Daten für Werbezwecke oder für die Markt- oder Meinungsforschung (§ 28 Abs. 3 Bundesdatenschutzgesetz).
Wölfe in Arztkitteln

Die Szenerie im Belgrader Sondergericht ist gespenstisch: In den Zuschauerreihen zähnefletschende Wölfe, die Enbleme der Todeskommandos. Gedungene Mörder in weissen Arztkitteln erscheinen in einer Zeugenaussage. Im Prozess um die Ermordung des serbischen Regierungschefs Zoran Djindjic trugen im Publikum schwarz gekleidete Muskelmänner die Symbole der aufgelösten Polizei-Spezialtruppe der Roten Barette auf ihren T-Shirts. Ihre Kumpane auf der Anklagebank sollen Djindjic zusammen mit der Zemum-Bande ermordet haben. Während ihrer stummen Solidaritätsbekundung sagte Djindjics Leibwächter aus, bei den Wiederbelebungsversuchen nach dem Attentat habe ein Anästhesist mit Verbindung zu den Killern geholfen.

Nicht nur wegen solcher Vorfälle sind die Aussichten schlecht, dass der Mord aufgeklärt wird. ...

Die Aussagen einiger Angeklagten und Kronzeugen scheinen eine weit verbreitete Sicht der Dinge zu bestätigen: Der Täterkreis ist größer, als von der Justiz angenommen. ...

Die wahren Hintermänner sind offenbar in mafiös strukturierten Politiker-Reihen zu finden. ...

Der Bericht von Djindjics Chefleibwächter ist nicht mehr erklärungsbedürftig: Eine Kronzeuge bestätigte, dass schon immer Ärzte im Sold der Zemum-Bande standen. Wenn sie einen ihrer Gegner bei einem Atttentat nur verletzen konnten, wurde das Werk im Krankenhaus zu Ende gebracht.
Aus der SZ vom letzten WE

Grauslig. Ärzte als Mörder. Hier wie dort. Heute wie gestern.

Samstag, April 24, 2004

Natürlich

Deutsches Gesundheitswesen ist besser als sein Ruf wird im Ärzteblatt behauptet.

Natürlich, die WeltGesundheitsOrganisation hat Unrecht und arbeitet mit falschen Zahlen - aber die jenigen, deren finanzielle Interessen berührt sind, nur die liegen richtig mit ihrem Selbsturteil.

Schon allein der hilflose Titel ist eine unseriöse Behauptung, weil niemand sagen kann, wie schlecht der Ruf des deutschen Medizinwesens denn ist.

Die Qualität eines Medizinwesens, das die Bezeichnung "Gesundheitswesen" sich erst verdienen muss, misst sich wohl kaum an "Leistungskatalogen" und der "Zahl von Ärzten und Betten", wie in dem Artikel ziemlich trostlos heruntergebetet wird, sondern allein an der Zufriedenheit, also Gesundheit der Patienten - denn die sind oder sollten sein, die Hauptpersonen in einem Gesundheitswesen (Name!). Das haben nur leider noch nicht allzuviele sog. "Leistungserbringer" im Medizinwesen begriffen.

Bezeichnende Fakten in o.g. Artikel: Bei den Kosten für das hiesige Medizinwesen liegt Deutschland an dritt-höchster Stelle - bei der Lebenserwartung aber weit hinten auf dem 15. Platz. Also enorme Ausgaben bei wenig Gegenleistung. DAS ist das deutsche Medizinwesen. Den Namen Gesundheitswesen tragen zu dürfen, muss erst noch erkämpft und erabeitet werden.

Beske: Die WHO-Untersuchung ist unmöglich, Äpfel sind mit Birnen verglichen worden.

Na, im Falle Deutschlands wohl eher mit Pflaumen.

Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe äußerte wie Beske Kritik an der WHO-Vergleichsstudie, in der das deutsche Gesundheitswesen hinter Ländern wie Griechenland und Kolumbien rangiert. Derartige Vergleiche zögen einen erheblichen Vertrauensverlust der Deutschen in das Gesundheitswesen nach sich, so der Ärztekammerpräsident.

LOL* - Ja klar, sowas könnte tatsächlich passieren: Wenn bekannt wird, das der Konzern XYZ eine kriminelles Pleiteunternehmen ist, dann könnten womöglich Kunden und Kreditgeber ihr Vertrauen verlieren. Wer das nicht möchte, muss verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

Oder wenn Kachelmann vor Unwetter warnt, muss damit gerechnet werden, dass Menschen sich Sorgen machen und unruhig werden, und womöglich ihren geplanten Sonnen-Ausflug abbrechen. Aus dem Grund hatte vermutlich der deutsche Wetterdienst in Offenbach so selten vor Unwetter gewarnt - um den Menschen nicht das Vertrauen in das gute deutsche Wetter zu nehmen.

Dienstag, April 20, 2004

Meine Dienstags Drei


Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jeder ist überzeugt, dass er genug davon besitze.
(Rene Descartes, frz. Mathematiker u. Philosoph, 1596-1650)

--

Irren ist menschlich.
Aber wenn man richtig Mist bauen will, braucht man einen Computer.
(Dan Rather, CBS-Fernsehreporter.)

--

Diplomatie ist die Kunst, einen Hund so lange zu streicheln, bis Maulkorb und Leine fertig sind.
(Felix Faure, franz. Politiker, 1841-1899)



Freitag, April 16, 2004

DIE GUTEN GÄRTNER

Wie schön
dass wir Hand in Hand
in den Garten gehen
und unseren jungen Baum
begießen
und pflegen

Ich klaube Raupen ab
Du bringst ihm Wasser!
Wie grün er wäre
wenn wir ihm nicht
die Wurzel
abgehackt hätten


Erich Fried

Aussenbetrachtung eines Musikers aus Deutschland

der seit 25 Jahren in England lebt: England hat für mich immer schon eine freiere Grundschwingung gehabt als Deutschland, obwohl ich Deutschland eigentlich sehr mag. Aber die Luft, die in Deutschland weht, ist mir zu unfrei. Ich empfinde Deutschland, krass formuliert, als Polizeistaat. Das ist in England anders, dort kann letztlich jeder machen, was er möchte.

Interviewer: Und das erlebst Du in Deutschland komplett anders?

Musiker: Hier muss man sich, überspitzt formuliert, für jeden Atemzug, den man macht, eine Bescheinigung in dreifacher Ausfertigung abholen. Die Deutschen lieben ein extrem geregeltes Leben. Das hat natürlich auch Vorteile. Deutschland ist sehr gut organisiert, anders als England. Aber ich brauche keine Regeln und Vorschriften, ich möchte nicht, dass mir Staat und Gesellschaft irgend etwas vorschreiben. Ich denke, dass die Menschen in Deutschland klein und unmündig gehalten werden, und zwar ganz bewusst von Kindesbeinen an. Die Menschen werden hier nicht - entgegen anders lautender Beteuerungen - zu selbständig denkenden Bürgern erzogen, sondern zu funktionierenden Rädchen in einer Maschine. Und dagegen als einzelnes Individuum anzugehen, ist unheimlich schwer. Der Druck, gewissen Normen und Regeln zu entsprechen, ist enorm.


Eigenartig - der Mann - der immerhin beide Länder gut kennt, gibt mit seiner Aussenwahrnehmung genau meine Binnenwahrnehmung wieder. So falsch kann das dann eigentlich wohl nicht sein - die Wahrnehmung - nicht die Verhältnisse hier - die sind so falsch, wie etliche der Weblogger, die im Internet ihr Unwesen treiben: Aussen hui - innen pfui.

(Polizeistaat ist nicht erst, wenn Leute in Uniform einem Morgens die Tür eintreten. Polizeistaat ist u.a. wenn das Telefon Jahre lang abgehört, man in der eigenen Wohnung, im Internet und draussen auf Schritt und Tritt überwacht wird, wenn Sniffer-Programme in den PC geschleusst werden, um sämtliche Tastatur-Eingaben dann übers Internet abzusaugen. Und wenn es eine Schar fleissiger Helfer in der Bevölkerung gibt, die sowas geil finden, mitmachen, Geld dafür bekommen und sich einen Scheissdreck um die Grundrechte der Betroffenen scheren.

Samstag, April 10, 2004

Gerechtigkeit ist die feste Absicht, jedem zu geben, was ihm von Rechts wegen zukommt;
Ungerechtigkeit hingegen ist es, jemandem im Namen des Rechts etwas wegzunehmen, was ihm bei richtiger Auslegung des Rechts zustünde.

(Baruch de Spinoza)

Freitag, April 09, 2004

Ein Klima des Mißtrauens für Mediziner

meinen britische Ärzte zu verpüren. Denn seit der Mordserie des Hausarztes Dr. Harold Shipman aus Manchester hat das britische Gesundheitsministerium veranlaßt, die Bestimmungen, die das Ausstellen von Totenscheinen regeln, zu ändern.
Shipman hatte in über 20 Jahren mindestens 215, wahrscheinlich fast 300 seiner Patienten ermordet. Da auf den Totenscheinen nur seine eigene Unterschrift nötig war, blieben die Morde jahrzehntelang unentdeckt.
Meldete www.aerztezeitung.de

Ist schon ein Ding, wieviel unangebrachtes Vertrauen Ärzten grundsätzlich noch entgegen gebracht wird.

Wenn ein Arzt hinter dem Sarg seines Patienten geht, so folgt manchmal tatsächlich die Ursache der Wirkung.
Robert Koch, dt. Bakteriologe, 1843-1910
Harte Bandagen zwischen Medizin-Lobbyisten und Politik

Ärzte-Vertreter werfen den Gesundheitspolitikern ein Vergreifen in der Wortwahl vor.
Eine ignorante Unverschämtheit, wie ich finde. Diese Ignoranten sollten sich erstmal an die eigene Nase fassen!

Vor vielen Monaten, als durchaus noch positive Stimmung unter den o.g. Beteiligten in Richtung Massenpublikum hergezeigt wurde, stiess ich zufällig auf eine Mitgliederzeitschrift für Zahnärzte und auf einer der vorderen Seiten war eine Karikatur abgebildet, in welcher die Rot-Grüne Regierung als Biber dargestellt, eine ganze Landschaft kahl genagt hatten, und darunter stand meiner Erinnerung nach, etwas von Schädlingen und Kahlschlag. Ich weiss aber noch genau, dass ich reichlich geschockt war, von diesem untersten polemischen Niveau einer Kaste von Privilegienträgern, die sich am liebsten mit weiszer Weste präsentiert und auf Sachlichkeit pocht.

Man stelle sich das mal umgekehrt vor: In einer Publikation der Regierung würden Ärzte als Schlangen dargestellt, die kalt abwartend lauern oder sich überall reinschleichen, zuschnappen und uns und unser System vergiften oder strangulieren? (Denn der Eid des Hippokrates gilt nicht mehr und die ursprünglich harmlose Aeskulap-Natter ist mitlerweile eine gefährliche Gift- oder Würgeschlange geworden).

Man muss als Patient nicht alles gut finden, was die neue Gesundheitsreform bringt. Sie geht aber wohl in die richtige Richtung und hat gute Ansätze. Das verdient unsere Unterstützung. Wir Patienten sollten nicht dem sog. Stockholm-Syndrom verfallen, uns also von Ärzten nicht erpressen lassen, sondern uns mit denjenigen Poliktern solidarisieren, die unsere Interessen im Blick haben, und Richtiges tun.

Was soll das Gejammer der Ärztelobbyisten? Trotz allgemein schwacher Wirtschaftslage bekommen sie noch von allen Patienten alle drei Monate eine Extragebühr in den gierigen Rachen geworfen.
Beim Zahnarzt

Es hatte keiner nachgefragt, darum hatte ich von mir aus die Praxisgebühr auf den Tresen gepackt. Bei guter Arbeit lege ich gerne etwas drauf.

Nur weiss man das meist vorher nicht, und nach all meiner Erfahrung und nach diversen Tests bei Zahnärzten durch andere, wie zB aktuell von ÖkoTest, muss man gute Ärzte suchen - trial and error wenn man Zahnschmerzen hat - eine deplatzierte Methode, die nach Verbesserung schreit.

Denn bis zur GesundheitsReform gab es keine FortbildungsPflicht! Dagegen hatten Ärzte resp. ihre Lobby sich gewehrt, jedenfalls wurschteln aktuell reichlich viele Pfuscher, Nieten und Leute, die wenig Interesse oder Fähigkeit zur Verbesserung der Zahngesundheit ihrer Patienten haben, in den Zahnarztpraxen herum.

Dass man solchen Leuten nicht auch noch die Extragebühr in deren gierigen Rachen schmeissen will, ist nur allzu verständlich. Die Ärzte müssten für ihren Pfusch eher noch an die Patienten zurückzahlen.


Sehr interessanter aktueller ZahnarztTest von der Zeitschrift ÖkoTest (Beim Link unten auf den Seitenzahlen weiterklicken)

Abgezockt, geschlampt und gepfuscht

Donnerstag, April 08, 2004

Sichtweise

Neulich im Radio aufgeschnappt: Great Britain, dort irgendwo, verdienen Rohrverleger Klempner also diese Installateure eben, etwa soviel wie Ärzte.
Auf die Frage an eine Installateurin, wie sie sich das erkläre, meinte die, dass sie eine ähnlich verantwortungsvolle Aufgaben hätte - wenn sie was falsch mache, könnten ebenfalls Menschen sterben. Naja.

Mal überlegt, wie es denn in den diversen Berufen jeweils aussieht, mit der Verantwortung für Leib und Leben der Mitmenschen, und mit der jeweiligen Entlohnung. Man muss wohl noch mehr differenzieren. Nach genauer Tätigkeit, nicht nach Berufsbezeichnung. Wobei Standardisierungen die Verantwortung des Einzelnen erheblich verringern (können)!
Der Mensch gewöhnt sich an alles

Wahrscheinlich auch an eine Backpfeiffe jeden Morgen.

Was nicht heissen kann, ihm nicht doch den Schock des Guten und Richtigen zuzumuten.

"Sind sie ausser Gefahr?"

... - das hat mich bisher noch kein Zahnarzt gefragt. Aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend.


Bedrohungs-Szenarien

Vor Jahren mal in einem Telefonat mit einer Behörde, nach langem strittigen Hin & Her, dann gesagt, ich werde die Sache dem Mieterbund vorlegen.
Meint die Beamtin: "WAS, Sie drohen mit dem Mieterbund?" Da musste ich erstmal kurz schlucken.

Ja ja:

"BundesverfassungsGericht bedroht Polizei mit dem Grundgesetz - Die wehrt sich bisher erfolgreich (wer hat schliesslich die Waffen)"

"Wird die deutsche Plutokratie und Iatrokratie von mehr Demokratie bedroht? Oder kann sie sich weiter behaupten?"

"Das deutsche Medizinwesen wird von der Europäischen Charta für Grund- und Menschenrechte bedroht. Deutsche Patrioten - zu den Waffen."

"Mann bedroht seine geschiedene Frau mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch."

Dienstag, April 06, 2004

Das war doch absehbar

, dass die Aufsplitterung der Krankenversicherung in hunderte Klein- und Kleinstversicherungen, wie zB diverse Betriebskrankenkassen (BKK), für immer mehr Versicherte und auch für das System zum Problem werden kann und wird. Schon von Beginn an gab es Probleme, weil Patienten von "Billigkassen", beim Arzt schlechte Karten hatten, weil der weniger Geld bekam, ohne das die Patienten das unbedingt wussten. Vor Jahren schon gab es Schwierigkeiten, weil eine BKK die Arzthonarare nicht zahlen wollte und deren Patienten standen im Regen, sollten selbst zahlen und mussten dann sogar prozessieren, die Kasse verlor, zahlte aber dennoch nicht! Schon für Gesunde eine belastende Sache.

Nun hat die Tagesschau gemeldet, dass zahlreiche BKK hoch verschuldet seien (zT durch rechtswidrig aufgenommen Kredite) und von Zahlungsunfähigkeit und Schliessung bedroht. Kassenärzte mahnen, die ambulante Versorgung sei gefährdet.

Warum gibt es nicht nur eine einzige Krankenkasse? Kontrolliert von einem Parlament/Gremium aus Patienten-/Verbraucher- und DatenSchützern. Spart enorm Verwaltungskosten, Zeit und Nerven der Mitglieder/Patienten, weil ein Stück deplatzierter Wettbewerb entfällt, und das dauernde Gerangel um den Risikostrukturausgleich gäbe es auch nicht mehr.

Dass man als kranker Mensch im Medizinbetrieb in eine Situation kommt und auf Menschen trifft, die als Fachleute ihr Bestes geben, um gemeinsam mit dem Patienten daran zu arbeiten, dass der sich wieder gesund und wohl fühlt, halte ich für ein soziales und demokratisches Grund- und Menschenrecht.

Dass man als Patient sowohl im Bereich Krankenversicherung als auch bei Arztkontakten in eine quasi geschäftliche Verhandlungssituation kommt und dabei als Kranker und med. Laie ständig aufpassen muss, von gesunden Experten nicht über den Tisch gezogen zu werden - das ist mE ein Offenbarungseid eines Sozialstaates. Man trifft beim Arzt auf einen medizinischen Geschäftsmann im weissen Kittel, der die Rolle einnehmen muss, es mit seinem Patienten gut zu meinen. Als kranker Mensch und med. Laie ist man in einer doppelt schlechten Position gegenüber seinem "Geschäftspartner", der idR gesund ist und viele Jahre Fachstudium intus hat.
Es ist die Aufgabe staatlicher Institutionen, Bedingungen zu schaffen, dass im Gesundheitswesen möglichst wenig Abzocke und möglichst viel Altrusimus und Sozialverhalten regiert. Gesundheit ist ein Grundrecht und hat kein marktwirtschaftliches Gut zu sein - sowas sollte zweitrangigen Bedarfsgütern und Dienstleistungen vorbehalten sein - auf dem Feld kann sich der Markt austoben.

Samstag, April 03, 2004

Neandertaler

Eine Bekannte meinte nach Monate langem Durchlaufen diverser medizinischer Diagnose-Parcours, wobei einige Befunde erhoben und andere Annahmen verworfen wurden, zu mir, die Ärzte seien doch Neandertaler. Spontan hatte ich zugestimmt - aber dann kamen mir doch Zweifel. Ich denke, so ein Urteil haben sie nicht verdient - die Neandertaler.

Immer werden diese wilden Hominiden als dumpf-tumb, grob und gewalttätig dargestellt. Aber meiner Wahrnehmung nach, sind Angehörige zeitgenössischer Naturvölker aufmerksame, gewitzte und dennoch soziale Leute, angepasst an ihre Umwelterfordernisse, die auch mit Mangelsituationen gut zurecht kommen, was ein gewisses Masz an Intelligenz erfordert - und das wird für alle Lebewesen - ob Mensch ob Tier - gelten, die wild leb(t)en. Neandertaler mit einer seit Generationen in üppiger Vollkasskomentalität sozialierten Geld- und Macht-Elite gleich zu setzen, ist eine Beleidigung für jeden echten Urzeithominiden. Obwohl - was gewisse überalterte Strukturen und Verhaltensmuster angeht, da hat sie sicher recht.

Jedenfalls hatte mir die Bekannte kürzlich ein paar ihrer Diagnose-Befunde übersandt. Man ergeht sich dort in allerlei Vermutungen und Abhandlungen, findet die eine oder andere Abweichung von Normwerten, rätselt aber sowohl über Ursache und Einschätzung der Situation - mit dem Ergebnis, dass man erstmal abwartet - vermutlich, dass es ihr noch schlechter geht. Auch 'ne Art, endlich zu eindeutigen Ergebnissen zu kommen, und dann mehr aus dem Vollen schöpfen zu können. Ausser einiges an Spesen für die SoliGemeinschaft, bisher also nichts gewesen. Die Bekannte ist zu einer med. Behandlung ins nahe Ausland gefahren und will das auch weiterhin tun.

Typisch auch, dass der ganze Sermon endet mit drei Unterschriften - wobei keiner der UnterzeichnerInnen seinen/ihren Vornamen nennt, der zweite für den ersten in Vertretung mit unterschrieben hat, und wenn auf dem "A" bei "ÄiP" keine zwei Pünktchen wären, dann wäre noch nichtmal klar, dass es sich bei "Kowalski" (Name v.d.R. geändert) nicht um einen Arzt im Praktikum handelt.

Das Subjekt der Untersuchung, wird komplett erfasst: Die Personalien, vermutlich bei der Anmeldung die private Telefonnummer und der Beruf, bei der Untersuchung nach Hobbys, die Patientin wird mit den typischen medizinischen Parametern dokumentiert - quasi eine Art biologisch-individueller Fingerabdruck genommen/erstellt - aber die Untersucher und Bewerter zeichnen ihre wichtigen Elaborate nichtmal mit ihrem Vornamen gegen. Eine Person mit Anti-Anonymitäts-Neurose würde vermutlich einen Anfall kriegen. Wo bleiben Glasnost und Perestroika im hiesigen Medizinwesen?

Mittwoch, März 31, 2004

Soo oft

bin ich über diese und ähnliche Hergänge, wie man sie durch die Medien mitbekommt, gestolpert: Am Unfallort gerettet, resp. wiederbelebt - in der Klinik dann gestorben. Leuten passiert was schlimmes, - wasweissich, da liegt jemand seit etlichen Minuten unterm Eis eines Sees, wird tot rausgezogen, reanimiert, lebt, kommt in eine Klinik - und stirbt dann dort.

Nun dieser Zeitungsbericht: Nach einem schweren Autounfall war ein Lungenflügel zu zwei Drittel voller Blut und ein Oberschenkel gebrochen.
Die Ärzte sahen trotz der schweren Verletzungen von Operationen ab. Mit speziellen Beatmungstechniken haben wir die Lunge stabilisiert, sagt der Oberarzt der Klinik. Auch der Oberschenkel wurde, anders als früher, nicht sofort operiert. Hätten die Ärzte dem Patienten sofort einen Marknagel eingesetzt, hätten sie ihm schwer geschadet. Denn grade solche Operationen schädigen das Immunsystem. Häufig tritt danach ein Organversagen auf, so der OA.
Dieses Wissen verdanken die Klinik-Ärzte einem Trauma-Register, dass sie seit 10 Jahren führen.
Der Oberarzt versteigt sich sogar zu der Aussage: Wäre der o.g. Patient in England oder Griechenland verunglückt, würde er jetzt nicht mehr leben.

Naja, ob er sich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnt. Jedenfalls finde ich bemerkenswert, dass ein durchaus groszer medizinischer Fortschritt lediglich auf Wissen und dem entsprechenden Handeln basiert - und nicht auf technischen Geräten und chemo-pharmakologischen Mitteln, und dennoch oder grade darum eigentlich allen relevanten Beteiligten dient: Die Patienten werden vor gefährlichen oder auch nur lästigen Eingriffen verschont, die Ärzte sind dennoch fachlich gefordert.
Deus Ex

Prinzipiell denke ich, dass Ethik stark mit Geschwindigkeit verbunden ist. Bei 'Counterstrike' zum Beispiel killt man in zehn Minuten 100 Gegner und stirbt selbst fünfmal, denkt aber keine Sekunde darüber nach. Keine Zeit. Unser Spiel macht auch mal Pausen, gibt Zeit, zu reflektieren, was man gerade getan hat. Ich finde es schade, dass immer nur nach einfachen Prinzipien gespielt wird. Wer ist der Schnellste? Wer zielt am besten? Niemand hat je versucht, soziale Beziehungen in einem Videospiel zu thematisieren. sagt Computerspielproduzent Harvey Smith in einem

Interview

Samstag, März 27, 2004

Stolen Freedom

Im vorüber gehn in einem Weblog ein Zitat von Christian Morgenstern aufgeschnappt, dass Freiheit nur möglich ist, wenn man gesund ist.
Krank Sein heisst, seiner Freiheit beraubt zu sein.
Wer sich selbst schädigt, krank macht - gibt Freiheit auf. Wenn der Medizinbetrieb Patienten nicht richtig gesund oder sogar krank macht - wenn Gesunde zu Kranken definiert werden, dann werden Freie zu Gefangenen gemacht. Gefangenes Personal mit Personal-Ausweis der Deutschland AG.
Unter Mensch / Bürger sein, verstehe ich etwas anderes. Die Eltern unseres Grundgesetzes sicher auch. Die Verfassung dieses Landes ist leider eine andere.
RingDingADong - oder so ähnlich

Dr. med. Mabuse erörtert im aktuellen Heft:

Wie viele Frauen in Deutschland bringen ihre Kinder ohne medizinische Eingriffe zur Welt?
Nur 1,3% aller Frauen entscheiden sich für einen auszerklinischen Geburtsort, die anderen 98,7% werden in einer Klinik zumeist unter hohem Technikeinsatz entbunden.
Die heutige Geburtshilfe wendet medizinische Eingriffe, die ursprünglich für Notfälle und pathologische Zustände entwickelt wurden, mitlerweile auch bei normalen Verläufen an. Die HighTech-Geburt ist Standard geworden.


Das würde womöglich erklären, warum soviele Kids und Teens wie bekloppt auf der Jagd nach Handy-Klingel-Tönen sind: Wer das Kunstlicht dieser Welt in einem HighTech-Kreiszsaal erblickt, ist vermutlich geprägt auf das elektronische Piepsen der diversen Überwachungs-Geräte.
Vielleicht erklären solche Krankenhaus-Geburten, die ja idR auch mit dem Einsatz der diversesten Pharmaka verbunden sind (noch ganz geschwiegen von den immer mehr durchgeführten Kaiserschnitten), warum soviele Kinder und Jugendliche heute psychische und kognitive Defizite haben oder drogensüchtig sind - womöglich geschädigt und angefixt durch den PharmaCocktail zur Geburtseinleitung und während einer Narkose etc.
Denn kaum scheint ein Organismus gefährdeter, als in einer (stressigen) Übergangs-Situation.

Die beiden Autorinnen Clarissa M. Schwarz und Beate A. Schücking schreiben: Aus dem sozialen und familiären Ereignis der Geburt ist ein hochtechnisierter Prozess geworden. Das Wissen um unbeeinflusste Geburtsverläufe geht zunehmend verloren.

Der ganze Artikel auch unter dem entsprechenden Link, hier seitlich.

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Mir scheint, dass vieles (hier im Lande) auch deswegen beschissen läuft, weil etliche (elitäre) Leute ihnen durchaus bekannte VerbesserungsMöglichkeiten nicht preisgeben wollen, für Angehörige der niederen Kasten, im Sinne von: Die Welt als Ganzes wird nie besser - unterm Strich bleibt es gleich, es müsse also immer Leute geben, die die Arschkarte ziehen - darum sollten wir am status quo nichts ändern, denn wenn es anderen dann besser geht, dann geht es uns womöglich schlechter.
Eine solche Rette-sich-wer-kann-Befindlichkeit ist katastrophal und scheint mir viel eher der Untergang des Abendlandes zu werden, als irgendwelche Einflüsse von aussen.

Ich glaube nicht, dass eine Elite gut leben kann in Verhältnissen, wo um sie herum Elend und Siechtum herrscht. Konkret im Bereich Medizinwesen glaube ich nicht, dass zB ein Mensch der selbst sehr auf seine Gesundheit achtet, dann angemessen therapiert wird, inmitten eins maroden, abzockenden, faschistoiden MedizinSystems. Ich denke nicht, dass die Haltung richtig ist, einer mächtigen Gruppe (den Ärzten) eine Verlierergruppe Menschen zum Experimentieren, Abzocken und Abarbeiten zu überlassen - so nach dem Motto, das ist die beste Gewähr, dass es einen selbst nicht trifft.

Ich bin dafür, die Verhältnisse im Medizinwesen ingesamt zu bessern. Es gibt soviele Ressourcen, die im Gegenzug als Opfer für ein verdientes Gesundheitswesen her gegeben werden könnten, dass ich glaube, sowas muss möglich sein, denn notwendig ist es auf jeden Fall schon lange.

Freitag, März 26, 2004

Def. faschistoid

Jemand fragte grade, was in der Subtitelzeile faschistoid bedeuten solle.

Als faschistoid bezeichne ich es, wenn ein Mensch/Bürger als Patient während eines medizinisch-chirurgischen Eingriffs behandlelt wird, wie man sowas in der Öffentlichkeit bisher eigentlich nur von medizinischen Experimenten an KZ-Insassen, chinesischen Häftlingen oder Versuchstieren weiss/ahnt/kennt, und dann das Opfer keinerlei institutionellen Beistand finden kann.

Also wenn konkret dann trotz Strafanzeige, mit immerhin erheblichsten Tatvorwürfen, die Staatsanwaltschaft sich lediglich auf das Prüfen der Patienten-Dokumente beschränkt - die bekanntlich vom Täter / Arzt selbst erstellt werden - also die Veranlassung einer medizinischen Begutachtung des Opfers ablehnt, und das Opfer keinerlei alternative Anlaufstelle finden kann, weil es die einfach nicht gibt, um selbst zu einer seriösen Begutachtung zu kommen.

Wenn ein Arzt unter vier Augen sagt, das Opfer werden hier im Lande niemals einen med. Gutachter finden, der gegen den med. Kollegen ein Gutachten erstellen wird, und wenn alle Institutionen, die gemeinhin in den Bereichen Patientenschutz, juristischer Beistand, Medizin, Opferschutz, Menschenrechte, politische Petitionsmöglichkeiten, sich für so ein Problem als nicht zuständig oder nicht kompetent erklären oder erweisen - mithin das Opfer einer schweren medizinschen Menschenrechtsverletzung also institutionell völlig allein gelassen wird, wie es mich an die Verlorenheit der von den Nazis Verfolgten erinnert - ja, dann nenne ich solche Verhältnisse faschistoid.

Bekanntlich heisst faschistoid nicht, dass es allen Bürgern eines Landes schlecht geht, heisst nicht, dass alle Einwohner bedroht sind - es sind einzelne Menschen und bestimmte Gruppen. Faschistoid sind dann solche Verhältnisse, in denen die anderen Bürger solche Verhältnisse geschehen lassen - zB aus Angst, sonst selbst in den Focus als Opfer zu geraten, oder weil sie vielleicht mit den Ergebnissen einverstanden sind, und die Methoden zwar vielleicht nicht gut heissen, aber dennoch stillschweigend akzeptieren.

Anlässlich der in einigen Ländern legal möglichen und praktizierten Sterbehilfe, gab es eine seriöse Stellungnahme von ichweissnichtmehrwem, worin wie selbstverständlich und nebenbei von einer Iatrokratie (Herrschaft der Ärzte / Ärztediktatur) gesprochen wurden, so als sei da eh klar und normal und unabänderlich. Ich sehe das für hiesige Verhältnisse ziemlich genau so.
Die Ärzteschaft ist exzellent informationell vernetzt - auch global - verfügt über einen starken Corpsgeist nach aussen und enorme finanzielle Resourcen. Nicht ohne Grund nennt man sie Halb-Götter. Und wie ich aus der griechischen Mythologie weiss, sind unter den Göttern genauso üble Charaktere, wie unter den schlimmsten Menschen.

Ich denke, viele Menschen haben noch nicht erkannt, dass der Medizinbetrieb unser Leben totalitär durchdringt: Geboren wird im Krankenhaus, Tod und Sterben findet ebenfalls idR im Krankenhaus statt. Bei Nichtgefallen des eigenen äusseren Erscheinungsbildes wird chirurgisch Korrektur durchgeführt (demnächst auch genetisch?). Wer auszieht, die weite Welt zu erkunden, oder in die Luft zu steigen, unterzieht sich einem Check und der Betreuung durch Ärzte. Bei Krankeit und Krisen unterwirft man sich der Steuerung und Eingriffen durch Ärzte. Die Zeugung und Auswahl menschlichen Lebens wird zunehmend künstlich von Medizinern bewerkstelligt. Da findet Diagnose und Selektion statt - nicht durch die Eltern, nicht durch "die Natur", nicht durch DEN Schöpfer - nein - durch Medizin-Personal, das damit Geld macht. Der normale Alltag basiert immer mehr auch auf medizinschen Erkenntnissen. Biometrische Merkmale, genetischer Fingerabdruck, die bald kommende Gesundheits-Chipkarte, der unter die Haut eingepritze Veri-Chip (ähnlich dem ID-Chip für Haus- und Nutztiere).

Es ist ja so, dass nicht jeder Bürger zu jeder Zeit von allen diesen Eingriffen betroffen ist. Darum vielleicht auch so wenig Informationsbedürfnis und Gegenwehr. Aber es gibt ja nicht allzu viele Institutionen, wo diese diversen Datenströme zusammenlaufen, resp. zusammengefasst werden (können) - darum ist das doch schon reichlich zentralistisch.

Vor zwei Jahren hat es einen nur kleinen Skandal gegeben, als bekannt wurde, dass ein Arzt Namen, Alter und Diagnose eines Patienten an mehrere Fachkollegen weiter gegeben hatte, weil er im Vorgriff auf eine allgemeine Regelung mit den Krankenkassen, verhindern wollte, dass Patienten so lange den Arzt wechseln, bis sie eine kassenfinanzierte Diagnose bekommen. Muss man sich mal klar machen: Abgesehen von der Verletzung von Persönlichkeitsrechten und des Datenschutzes und einem möglichen Verstoß gegen die ärztliche Berufsordnung - da wechselt man den Arzt, um eine sog. zweite Meinung einzuholen - und bekommt jedesmal die gleiche Diagnose resp. TherapieEmpfehlung - nicht weil sie richtig ist, sondern weil die Ärzte sich untereinander abgesprochen haben. (Quelle: dpa/netdoktor 07.06.2002).

Montag, März 22, 2004

Was es alles gibt, das ich nicht brauche!
Aristoteles, griech. Philosoph, 384-322 v.Chr.

Wenn du einen Menschen glücklich machen willst, dann füge nichts seinen Reichtümern hinzu sondern nimm ihm einige von seinen Wünschen.
Epikur von Samos, griech. Philosoph, 341-271 v.Chr.

Da musste ich zweimal überlegen: Denn wie nimmt man einem anderen Menschen seine Wünsche? Doch wohl nur indem man grundlegendere Bedürnisse befriedigt!

Sonntag, März 21, 2004

Begriffe und die Deutung ihres Fehlens

Das mit den Begriffen und Nicht-Begriffen und wie sie zu deuten sind, scheint mir so eine Sache zu sein. Weil es in der deutschen Sprache zwar ein Wort für Durst gibt, nicht aber eines dafür, wenn er gestillt ist, könnten Fremde folgern, Deutschland sei Wassermangelgebiet.
Also nur weil es in einer Epoche, Kultur, Ära, einem Sprachraum für etwas keinen Begriff gibt, kann nicht unbedingt daraus geschlussfolgert werden, dass es dann auch den dazu gehörenden Sachverhalt/Zustand nicht gibt/gegeben hat.

Lauschangriff gegen die Verfassung

Der Staatsdienst muss zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut sind, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist. Marcus Tullius Cicero, röm. Politiker, 196-43 v.Chr.

Das BundesVerfassungsGericht hat entschieden, der sog. Lauschangriff ist gegen die Verfassung, und dem Gesetzgeber aufgetragen, ihn bis 2005 ab zu schaffen.
Aktuell praktizierte Lauschangriffe sind also nur noch dem Buchstaben des aktuellen Gesetzes nach, legal. Dem Geist, Buchstaben und Ziel der Verfassung nach, waren und sind sie illegal.
Eigentlich müssten die doch wohl sofort abgebrochen und beendet werden. Das zu erkennen und zu begreifen braucht aber wohl auch Geist/Vernunft. Vermutlich zuviel verlangt.


?:-| Die Begrenzung staatlicher Macht ist ein Zeichen des Rechtstaates.
[Aus einer Selbstdarstellung des BundesVerfassungsGerichtes]

Freitag, März 19, 2004

PR / Digitale Untersuchung

... Rektum. Der letzte Teil des Verdauungsapparates. Untersucht zur Früherkennung von Prostataveränderungen. Die sind sehr häufig. Gerade bei Männern. Und deshalb gehen die auch nicht zur Früherkennung. Viele wären interessiert, wenn sie wüssten, das Verfahren nennt sich "Digitale Untersuchung". Da denkt der Mann erstmal an Computer, High-Tech, und erwartet so etwas wie seine heimische Digitalkamera. Digitus verspricht aber nichts weiter als: der Finger. So verwirrt die Terminologie bisweilen. In dieser Region des Körpers erwartet man nicht digital - wenn überhaupt dann analog. Die Abkürzung für die auf Seiten des Patienten wie des Arztes wenig geschätzte Prozedur lautet p.r. - für Per Rektum. Und jetzt dürfte auch klar sein, was PR-Agenturen alles machen ...

Auszug aus Warum Ärzte sich nicht ausdrücken können, von Dr. Eckart von Hirschhausen www.hirschhausen.com - aus der aktuellen Ausgabe des Dr.med.Mabuse, von dort Nachdruck aus Extrablatt, Zeitung für Medizin und Studium, Feb. 2004.

Montag, März 01, 2004

Las Vegas hat die höchste Selbstmordrate der USA

Aus einem Abschiedsbrief:

Hier gibt es keine Antworten.


(via www.spiegel.de)

Samstag, Februar 28, 2004

Wie man sich bettet, so schläft man

Christian Morgenstern:

Palmström ist nervös geworden;
darum schläft er jetzt nach Norden.

Denn nach Osten, Westen, Süden
schlafen, heißt das Herz ermüden.

(Wenn man nämlich in Europen
lebt, nicht südlich in den Tropen.)

Solches steht bei zwei Gelehrten,
die auch Dickens schon bekehrten -

und erklärt sich aus dem steten
Magnetismus des Planeten.

Palmström also heilt sich örtlich,
nimmt sein Bett und stellt es nördlich.

Und im Traum, in einigen Fällen,
hört er den Polarfuchs bellen.

"Im Krieg gibt es immer Verluste -

aber normalerweise werden die vom Feind verursacht und kommen nicht von unvorstellbarer Gewalt aus den eigenen Reihen.",

sagte eine US-republikanische Senatorin über den jüngsten und wohl bisher gröszten Sex-Skandal in der US-Armee.


Zitiert aus www.spiegel.de
RelativiererInnen und VerharmloserInnen am Werk

Etliche Schreiber gerieren sich als Phalanx von VerharmloserInnen und RelativiererInnen. Jemand von ausserhalb beschreibt ein schlimmes Ereignis, welches ihm widerfahren ist, und seine dramtischen Folgen - und was machen diese Leute? Sie picken sich die Schlüsselbegriffe heraus und stellen sie in belanglosere, andere Zusammenhänge. Immer wieder. Systematisch.

Würde beispielsweise ein KZ-Überlebender sein Trauma in einem Buch beschreiben - was ja einige getan haben, und würde von seinen Bemühungen sprechen, die Verantwortlichen vor ein Gericht zu bringen, so würden die Verharmloser, die Gerechtigkeitsbemühungen komplett ignorieren, aber anhand der Informationen und des beschafften Wissens über den Mann, ihn ebenso ungefragt wie pentrant mit permanenten Statements berieseln, wie toll er doch überlebt habe, andere hätten nicht mal das, und welch ein schönes Zeichen von Lebenskraft es doch sei, ein Büchlein zu schreiben, wie sehr auch er jetzt gefordert sei, das Land mit aufzubauen und in der Arbeit seine Vorwürfe zu vergessen. Vermutlich würden sie ihm auch eine Nacht oder Woche im Bordell finanzieren, auf dass er all seine Last und Bitterkeit verlöre.
Die Frage drängt sich da gradezu auf, wer oder was diese dreisten Ignoranten antreibt - und der Verdacht entsteht, ihr Motiv könnte sein, die Nazi-Verbrecher nicht vor Gericht sehen zu wollen.

Freitag, Februar 27, 2004

Fluglotsenmord

Ein zwar Schuldiger aber auch Familienvater ist getötet worden und ein vom Schicksal eh schon schwer geschlagener Mann wandert nun ins Gefängnis.

Hätte man den verantwortlichen Fluglotsen für seine folgenschwere Schlampigkeit mit ein paar Monaten oder Jahren Gefängnis bestraft - wäre das einerseits eine wohl durchaus nicht ungerechte Strafe gewesen, denn es kann doch nicht sein, dass er ohne Busze tun zu müssen, sich selbst überlassen so weiter leben darf.
Zudem wäre es eine gewisse Genugtuung für ALLE Angehörigen der Opfer gewesen, und der Fluglotse wäre noch dazu im Gefängnis dem Zugriff des rächenden Mannes entzogen gewesen.
Nach einiger Zeit wäre er wieder bei seiner Familie gewesen und der Rache bedürftige Mann hätte vermutlich von der Schwere und Endgültigkeit seiner Tat abgesehen.
Ein erodierender Rechtstaat produziert Unglück in Serie, resp. generiert sich seine "Kunden" selber.


Dienstag, Februar 24, 2004

Die Hölle auf Erden

Manchmal besteht Überleben darin - nicht verrückt zu werden und/oder Amok zu laufen - vor körperlichen und seelischen Schmerzen, vor Hoffnungslosigkeit. Und sich bauklötzchenhaft an dem orientieren, was die Grundlagen des Lebens sind, auch wenn es nur ein Vegetieren ist. Und niemals die Ursache von allem und jedem vergessen wollen und können.

Vor acht Jahren wurde Sabine Dardenne aus dem Kellerverlies des Kinderschänders Marc Dutroux gerettet. Wenn in einer Woche der Prozess gegen Dutroux beginnt, will sich die inzwischen 20-jährige Frau ihrem Peiniger stellen. Sie wird vor Gericht gegen den Mann aussagen, der ihr die Hölle auf Erden bereitete.
"Ich will Dutroux in die Augen sehen und ihm zeigen, dass ich trotz allem, was er mir angetan hat, nicht verrückt geworden bin. Und dass er mich nicht besiegt hat", sagte Sabine Dardenne jetzt in einem Interview. Damit hat sich eins der beiden überlebenden Opfer kurz vor Prozessbeginn eindringlich an die Öffentlichkeit gewandt. "Ich werde nie vergessen, was passiert ist, aber ich lebe und kann ihm seine Taten nachweisen." Acht Jahre lang habe sie auf diesem Augenblick gewartet, sagte die junge Frau.

Aus www.spiegel.de

Dieses Opfer des LebenSchänders hat tiefe seelische Traumata erlebt. Ist der Körper gesund geblieben, kann sich die Seele daran wieder aufrichten. Und dieses Opfer hat das Glück, dass sein Peiniger schon lange gefasst ist, und es weiss, dass die Gesellschaft auf seiner Seite steht und dem Täter den Prozess machen wird. Alles das sind Voraussetzungen, um seelisch zu genesen.
Noch schlimmer sind Menschen dran, die noch dazu körperlich traumatisiert wurden, und/oder als Opfer allein gelassen werden. Jede Orientierung ist verloren, jeder Halt wurde zerstört. Diese Menschen brauchen Hilfe. Keine Ablenkung und kein Coaching und keine Entmündigung, sondern jedweden Beistand als Mitmensch.

Sonntag, Februar 22, 2004

Schiefliegen

Erheblicher Rückgang der Arztbesuche - leere Wartezimmer - wird gemeldet. Die Ärzte haben im Schnitt also weniger zu tun.
Der Jackpot / das Budget ist aber nicht gesenkt worden. Es ist auch nicht gleich geblieben. Der Geldtopf ist sogar noch höher befüllt worden: Um 10 Euro pro Quartal und Patient und um die erhöhte Eigenbeteiligung für Medikamente.

Für die Ärzte heisst das, mit weniger Patienten können sie zwar weniger Punkte abrechnen, aber die jeweiligen Punkte bekommen einen höheren PunktWert - immer soviel, dass der Geldtopf jedes Jahr wieder leer wird.

Also für Ärzte im Schnitt höhere Einkommen, bei weniger Arbeit?

Und dann lese ich in einem SPIEGEL-Artikel: Deutschland im Wohlstandskeller der EU: Das deutsche BruttoInlandsprodukt pro Kopf, ist nach aktuellen Schätzungen, letztes Jahr unter den Schnitt der EU gerutscht - zum ersten Mal seit 40 Jahren.
Das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" befindet in einem Leitartikel, der Niedergang der deutschen Wirtschaftskraft sei alarmierend.

Durch die Gesundheitsreform müssen demnächst die Gehälter der Chefs der rund 300 Krankenkassen offen gelegt werden. Einiges ist vorab schon bekannt gemacht worden.

Viele verdienen bis zu 210 000 Euro brutto pro Jahr.

Wär' ich nicht arm - wärst Du nicht reich.

Ich bin nicht neidisch - ich halte solch krasse Unterschiede nur nicht für angemessen, nicht für sozial gerechtfertigt.

Wie blind und blöde müssen Leute sein, die gegen sozialfällige Menschen die Nazi-Keule der Vokabel vom Sozialschmarotzer schwingen, anstatt solchen o.g. Verhältnissen entgegen zu treten? Womöglich sind es einfach nur feige, Rückgrat lose Schleimbeutel. Oder Raucher, die sich um ihren Verstand geraucht haben - wenn da mal welcher war - und statt Hirn nun Teer im Kopf haben.

Sonntag, Februar 15, 2004

chrismon

Niemand hat einen Anspruch darauf, Lebenszeit zur Verfügung gestellt zu bekommen.

meinte Axel Reimann, Redakteur von chrismon, in einem Kommentar zur Organspende-Problematik

Ich denke, so kann das nicht richtig sein. Ich würde eine zentral wichtige Bedingung hinzufügen:

Niemand hat einen Anspruch darauf, künstlich geschaffene Lebenszeit zur Verfügung gestellt zu bekommen, wenn es tatsächlich oder potentiell die Verringerung der Lebenszeit anderer bedingt.
Gewöhnung

Auf der Webseite des Chaos Computer Club gefunden www.ccc.de

""Ein plötzlicher, starker Reiz löst bei Lebewesen als Kontrast der Umgebungsbedingungen eine starke aversive Reaktion wie Vermeidung durch Flucht oder Aggression aus; wird der Reiz dagegen nur Schritt für Schritt verstärkt, treten Anpassungs- und Gewöhnungseffekte ein, die sich auf längere Sicht ungünstig auswirken." so der Kriminologe und Psychologe Detlef Nagola.

An wieviel Überwachung haben wir uns eigentlich schon gewöhnt?"

Der niederländischer Aktivist für Bürgerrechte, Maurice Wessling, meint:

«Technik ist zu wichtig, als dass man sie Regierungen und Konzernen überlassen kann»

Sicherheits-TIPP
Neulich las ich in einem Weblog, der Betreiberin war es zeitweise unmöglich, nur von ihrem eigenen Rechner/InternetZugang aus, ihr Weblog zu administrieren, weil ihrer Meinung nach Sie persönlich sabotiert würde.

Grundsätzlich ein Tipp: Es gibt oftmals die Möglichkeit, die gewünschte WebSeite auch als verschlüsselte/sichere Verbindung an zu fordern - einfach indem man den Buchstaben "s" zu "http" hinzufügt. Also zB statt
http://www.xyz.com
https://www.xyz.com

Hab das grad mal ausprobiert: Bei meinem und vielen anderen Weblog-Anbietern geht das nicht - jedoch bei 20six, die ich ansonsten wenig attraktiv finde, ist ein sicherer Verbindungsaufbau möglich.
Was grade bei Eingabemaske-Seiten sinnvoll scheint. Kann man überall mal ausprobieren.

Problem ist leider, dass unseriöse Webseitenbetreiber, deren Seiten man vorher besucht hat, ihren Server dazwischenschalten könnten ("man in the middle") und die scheinbar sichere Verbindung einfach durchleiten und die Daten abgreifen/kopieren könnten, also auch Passwörter und dergleichen.

Eine mögliche Gegenmasznahme scheint mir zu sein, sofort nach Einwahl ins Internet auf die gewünschte sichere Seite zu gehen, also keine anderen Webseiten/Server vorher an zu surfen. Und hinterher vor dem weiter Surfen sämtliche Caches und Zwischenablagen löschen.

Donnerstag, Februar 12, 2004

Agenten gegen andere Bürger

Ein guter Bericht letzten Montag in REPORT aus Mainz, über rücksichtslose Schikane der BundesAgentur für Arbeit gegen Arbeitslose. Die Methoden dienen nicht etwa dazu, störrische Arbeitslose in Arbeit zu bringen, sondern sollen korrekte Arbeitslose mit allen möglichen Mitteln - und sei es auch nur für kurze Zeit - aus dem Leistungsbezug drängen. Da wird die allein erziehende Mutter mit Kind, gegen menschlichen Anstand drangsaliert und andere gutwillige Leute werden in Existenzangst versetzt, weil die mächtige Behörde in Gutsherrenart mit ihnen umgeht.

Es ist ja lobenswert, Geld ein zu sparen. Aber wenn das rücksichtslos und gegen menschlichen Anstand passiert und Menschen in Existenzängste versetzt werden (potentielle Amokläufer?), während woanders das Geld zum Fenster raus geschaufelt wird - ich sage nur TollCollect/Lkw-Maut - die inzwischen Milliarden-Einnahme-Verluste für den SteuerEtat bedeuten - dann weiss offenbar bei den politischen Führungskräften dieses Landes die eine Hand nicht, was die andere tut. Das ist dann aber schlecht. Letztlich für uns alle.

Mittwoch, Februar 11, 2004

Unter Kuratel

Noch einmal ein Textauszug aus dem klasse VDÄÄ-Rundbrief Nr. 2/2003 / Tagesspiegel 4.4.2003

Ärzte ohne Grenzen

Vor wenigen Jahrzehnten noch war die Welt der Ärzte heil. Ausgestattet mit einem unverzichtbaren gesellschaftlichen Auftrag, mit dem Ruf der Uneigennützigkeit und dem Nimbus der Bewahrer von Gesundheit und Hoffnung erlebten sie während der ersten Nachkriegsjahrzehnte den Zenit professioneller Erfüllung. Wie kaum ein zweiter Berufsstand verkörperte die Ärzteschaft die bundesdeutsche Leistungselite; ihr anzugehören wurde zum Traum hunderttausender junger Menschen. Leidenschaftlich, gewissenhaft, unermüdlich waren die Attribute einer mächtigen Kaste, der Bürger und Politiker Bewunderung zollten.


Noch bargen Krankheitskosten, Arzneimittelpreise und Arzthonorare keinen politischen Sprengstoff. Noch waren die Möglichkeiten der Medizin vergleichsweise begrenzt und unbelastet von konfliktreichen ethischen Fragen, die der Einführung von Reanimation, Organtransplantation und künstlicher Lebensverlängerung folgen sollten. Noch war die Führungsrolle der Ärzteschaft unumstritten und ihr ein nie gekanntes Maß an materieller Prosperität beschieden.

„Selbst mit einer Kreuzberger Internistenpraxis", so ein Berliner Doktor im Ruhestand „ließ sich in jenen Jahren ein Anwesen auf Sylt erwirtschaften." Eine Profession im Einklang mit sich selbst und der Gesellschaft: Fürwahr – ein goldenes Zeitalter.

Dahin ist es, unwiederbringlich. Seit Mitte der 70er Jahre schon sucht eine Lawine von Gesetzen und Verordnungen zur Kostendämpfung die Leistungsausweitung der Krankenkassen und die ausufernden ärztlichen Handlungsspielräume erfolglos in Schach zu halten.
Heute glaubt sich die weiße Zunft im Vorhof der Hölle. Von Medizinökonomen sieht sie sich umstellt, von Klinikmanagern und Kassenfunktionären bevormundet. Sie ächzt unter unzumutbarer Arbeitsbelastung. Verarmungswahn hat sie erfasst, ihre Gemütsverfassung schwankt zwischen Depression und Zorn. Tief gekränkt über die schwindende Attraktivität ihres Standes muss sie erleben, dass ihr der Nachwuchs die kalte Schulter zeigt, selbst manche Chefarztstelle unbesetzt bleibt und enttäuschte Patienten ihr Heil zunehmend bei Gesundbetern suchen. Brüskiert fühlt sie sich von einer Politik, die sie künftig zum „Ärzte-TÜV" schicken, zur Fortbildung verpflichten und ihr ein Korsett von Behandlungsleitlinien verordnen will.

Hinter nahezu jedem Reformansatz „schwelen die Gefahren kollektivistischer Gleichmacherei". Nicht genug damit: Politik und Kassen machen sich neuerdings anheischig, ihre mächtigsten Interessenbastionen, die Kassenärztlichen Vereinigungen, zu schleifen, um den zwar bröseligen, doch immer noch monolithischen Block der niedergelassenen Ärzte zu sprengen und damit für Reformen gefügig zu machen.

Wie konnte es dahin kommen? Wo sind die Ursachen dafür zu suchen, dass trotz der unbestreitbaren und segensreichen Erfolge der Medizin die sie tragende Ärzteschaft so sehr in die Defensive geraten ist und so viel an Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft eingebüßt hat?

Zweifellos hat die Ärzteschaft die Krise des Gesundheitswesens nicht allein zu verantworten. Weder der wissenschaftliche Fortschritt noch das wachsende Heer chronisch Kranker, weder der Jugendwahn noch eine selbstschädigende Lebensweise sind ihr anzulasten.
Aber glauben die Ärztevertreter ernsthaft, dass allein „eine ruinöse Kostengesetzgebung im Gesundheitswesen" und ein „diffamierender Umgang mit dem Arztberuf" dessen Niedergang
bewirkt haben?

Selbstkritik und Reflexion der eigenen Aufgaben und Ziele – nie waren dies Stärken der Ärzteschaft, der die Gesellschaft seit jeher den privilegierten Status einer „Profession" gewährt, denn sie nimmt einen für den Einzelnen wie für die Allgemeinheit überragenden Auftrag wahr.
Merkmal dieses Status ist ihre Vorrangstellung in der Heilkunde.

Unauflöslich aber sind seine Träger an das „Bekenntnis" gebunden, so der Soziologe Eliot Freidson, ihr Wirken am Dienst an der Gemeinschaft auszurichten, höchste ethische Grundsätze und Leistungsnormen einzuhalten und das Patienteninteresse über alles zu stellen.

Somit ist es nur recht und billig, an Verhalten und Handeln der Ärzteschaft höhere und strengere Maßstäbe anzulegen, als an das eines Bankers oder Ingenieurs.
Vieles spricht dafür, dass das professionelle Selbstverständnis der Mehrheit der Ärzte einem Tiefpunkt zusteuert.
Sie vermochten es nicht, einer Entwicklung standzuhalten, die ethische Prinzipien relativiert. Allzu oft verschränkt sich die Missachtung einer Kernthese der ärztlichen Berufsordnung – „der ärztliche Beruf ist kein Gewerbe" – auf ungute Weise mit einem medizinischen Handeln, das das Prädikat „wissenschaftlich begründet" kaum mehr verdient.

Wenn jüngst der Sachverständigenrat ein immenses Ausmaß an medizinischer Ober- Unter- und Fehlversorgung diagnostiziert, dann ist dieser Befund nicht nur Ausdruck des Versagens professioneller Selbstregulierung; er ist auch ein Urteil darüber, dass sich die Wahrung des Patienteninteresses gegenüber dem ärztlichen Eigeninteresse zugunsten des Letzteren drastisch verschoben hat.

Ein Chefkardiologe fordert von seinem Herzkatheterlabor: „Der Laden muss brummen!" Ein Gastroenterologe will von den Ärzten seiner Endoskopie- Einheit „Zahlen, Zahlen, Zahlen!" sehen. „Denn nur wer hohe Untersuchungszahlen hat, überlebt." Nicht allein eine aus den Fugen geratene, wissenschaftliche Standards übergehende Medizin gibt sich hier zu erkennen; nicht nur werden hier, letztlich enorme Ressourcen vergeudet. Vielmehr charakterisieren solche Aussagen die jetzige Chefarztgeneration, die mehrheitlich eine technologiehörige und einkommensorientierte
Geisteshaltung hat. Lothar Weißbach, ehemaliger Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, stellt seiner Disziplin ein vernichtendes Zeugnis aus, „weil viele Onkologen Therapiefreiheit mit Therapiebeliebigkeit verwechseln und damit die Heilungschancen zahlloser Krebspatienten mindern". Eine Missachtung des Patienteninteresses wäre es aus seiner Sicht, auf Leitlinien medizinischer Behandlung zu verzichten und das politische Vorhaben, ein nationales Zentrum für Qualitätssicherung in der Medizin zu schaffen, aufzugeben.

Dass ein erklecklicher Teil der deutschen Ärzte Abrechnungsbetrug als Kavaliersdelikt betrachtet, ist beschämend.
Unerträglich ist, dass neuerdings Ärzte nicht davor zurückschrecken, mit Verstorbenen zu punkten. Die prompte Antwort der Funktionäre, „man werde gegen schwarze Schafe in den eigenen Reihen unnachgiebig vorgehen" ist eine artige Floskel. Sie verbirgt die Selbstdemontage einer Profession.

Selbst das „Deutsche Ärzteblatt" sieht die Basis des Arztberufes in Gefahr und das Vertrauen der Patienten von vielen Ärzten missbraucht: „Da ist der Gynäkologe, der einer Patientin die Sonographie verweigert, weil sie von der Kasse nicht bezahlt werde, zugleich aber privat eine anbietet. Da ist der HNO-Arzt, der nach dem Hörsturz eine kostspielige Akupunkturserie, selbstverständlich bar zu bezahlen, nahe legt. Da ist der Hautarzt, der neuerdings eine Warze als kosmetisches und deshalb privat zu beseitigendes Problem ansieht. Und so nebenbei geht es auch um den Verkauf
von Versicherungsprodukten einer privaten Krankenkasse oder die Empfehlung einer Spezialdiät." Die Arztpraxis – künftig ein Shopping-Center mit heilkundlichen Schnäppchenangeboten?

Getragen von der Sorge um die Erosion der Ethik ärztlichen Handelns veröffentlichten europäische und amerikanische Ärztegesellschaften 2002 die „Charta zur ärztlichen Berufsethik". Sie mahnt die Ärzte, die unverrückbaren Prinzipien ihrer Profession als Grundlage des Kontraktes zwischen Medizin und Gesellschaft einzuhalten. Ausdrücklich warnt sie die Ärzteschaft davor, „den vielfältigen Verführungen zu erliegen, den Primat des Patientenwohls aufzugeben". Zu fairer Mittelverteilung im Gesundheitswesen ruft die Charta ebenso auf, wie sie Ärzte zu lebenslangem Lernen verpflichtet und dazu anhält, Leitlinien für eine gerechte und effektive Patientenversorgung zu erarbeiten.

Es charakterisiert die Denkungsart der deutschen Ärzteschaft, dass sie dieses Dokument bis heute ignoriert.
Nur wenige Ärzte unterstehen sich hierzulande, die Entprofessionalisierung der eigenen Zunft offen zu rügen. Nicht ohne Gefahr zu laufen, sich kollegialem Unmut auszusetzen. Ein Chefarzt einer Inneren Abteilung im Rheinland, bekannt für seine kritischen Fortbildungsveranstaltungen, erhielt Drohbriefe von Kardiologen, weil er den Sinn und Unsinn von Herzkatheteruntersuchungen thematisiert.
Einen um sich greifenden „Mangel an ärztlicher Sorgfalt", ein „autistisch undiszipliniertes ärztliches Verhalten zu Lasten unserer Patienten" konstatierte Erland Erdmann, Kölner Ordinarius für Innere Medizin.

Am Beispiel der hinter internationalem Standard zurückbleibenden Diabetikerversorgung prangerte der kürzlich verstorbene Düsseldorfer Diabetologe Michael Berger Kassenärztliche Vereinigungen, Ambulanzen und Pharmalobby an: „Es geht nicht mehr um das Wohl der Patienten, sondern um finanzielle Eigeninteressen." Kollegenurteil: „Nestbeschmutzer."

Kein Wunder, dass die Politik ihre Glacehandschuhe im Umgang mit den Ärzten endgültig abgelegt hat. Und wenn sie heute unnachgiebig und zu Recht mehr Qualität, Effizienz, Transparenz und Kontrolle einfordert, dann heißt das auch: Wir glauben Euch nicht mehr. Euch unter Kuratel zu stellen, ist nicht mehr zu umgehen.

Es gibt ihn noch, den guten Arzt

Und doch, es gibt ihn noch – den guten Arzt, den mancher Patient wie die Stecknadel im Heuhaufen sucht; dem Empathie und Redlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Wissenschaft Fundament seiner Arbeit sind; der Patienten mit Klugheit und Überzeugung durch die Krankheit führt; der die geschmähte, gleichwohl unentbehrliche „Apparatemedizin" gezielt einsetzt; der die Überweisung eines Patienten nicht unterlässt, weil er befürchtet, er kehre vom „Feindflug" nicht zurück; der das Rückgrat hat, Pharmavertretern, die ihn zu unseriösen, doch bestens dotierten „Anwendungsstudien" überreden wollen, die Tür zu weisen; der als Freund an der Seite des Patienten steht und die richtigen Worte findet, wenn ärztliches Können machtlos und der Tod nahe ist.

Diese Arztgestalt prägt schon lange nicht mehr das Bild der Medizin. Sie ist, so scheint es, ein Auslaufmodell, das die Medizingeschichte eines Tages als kostbare Mumie ausgraben wird.
Sie wird der letzte Vertreter einer Gattung gewesen sein, die auch an dem Unvermögen scheiterte, ihren hohen ethischen Anspruch einzulösen: unbeirrbarer Anwalt und Freund des Kranken zu sein.


Michael De Ridder

Zitiert aus dem VDÄÄ-Rundbrief Nr. 2/2003 resp. dem Tagesspiegel vom 4.4.2003

Montag, Februar 09, 2004

aus aktuellem Anlass gelesen bei http://www.oesterreich1.com/topdog/
(ich zitiere):

"Die meisten westlichen Staaten haben den sog. Lauschangriff seitens der Behörden gesetzlich legalisiert. Die Diktaturen fragen erst gar nicht, sie tun es. Die Begründung unserer Politiker sind schon sehr merkwürdig, man könnte meinen, sie haben mentale Störungen. Sie behaupten allen Ernstes, daß sie mit diesem Instrumentarium die organisierte Kriminalität wirksam bekämpfen können ! Ich weiss aber nicht nur zufällig, da ich Unternehmer in der Sicherheitsbranche bin, daß sich "wohlhabende Leute" die teuersten und besten Alarm- und Sicherheitssysteme einbauen lassen. Da heulen schon die Sirenen, wenn die Polizei nur daran denkt, denjenigen abzuhören !

Eine wirksame Bekämpfung der OK ist nur durch mühevolle Aufklärung und Beweissicherung zu machen !

Unsere mental gestörten Hobbypolitiker stecken horrende finanzielle Mittel in völlig abstruse Abhörprojekte wie z. B. ENFOPOL und ECHELON. Die Kosten dieser Abhörprojekte sind nicht zu verantworten. Daher agieren die Betreiber auch geheim, an allen Parlamenten vorbei ! Ziel der staatlichen Abhörprojekte ist es, ALLE Telefonate, Faxe, Handygespräche, Internetaktivitätet, Emails und mehr permanent abzuhören !

Das hat mit Rechtsstaatlichkeit nichts mehr zu tun, das ist die totale Beschränkung der Freiheit !

Es muß also einen anderen Grund geben, warum unsere mental gestörten Hobbypolitiker horrende finanzielle Mittel in völlig abstruse Abhörprojekte stecken.

Sie haben Angst vor dem Volk !

Die Bundesrepubik Deutschland ist auf Betreiben des ehemaligen Innenministers und jetztigen Schwerstkriminellen (Geldwäsche) Manfred Kanther in Europa schon länger führend und tonangebend."

(Zitat Ende)

Dienstag, Februar 03, 2004

Ebbe in Herz & Hirn - Flut im Portmoney - Leserverdummung in manchen Weblogs:

Wie eine Bloggerin ihrer Geldgier huldigt und ihren Lesern den Nonsense-Sand in die wunden Augen reibt, bringt mich jedesmal auf die Palme. Die Frau scheint Fleisch gewordene Manifestation der ersten Kaufmannsregel zu sein: Lerne klagen ohne zu leiden.

Dauernd klagt sie, wie wirtschaftlich schlecht es den Ärzten doch gehe - nie findet sie auch nur ein Wort über die unerträgliche Situation der Patienten.
Smarte Geschäftemacherin: Ignorant und eloquent. Mit flottem Mundwerk immer den Profit fest im Tunnel-Blick. Alle anderen können sehen wo sie bleiben. Mein übles Hamburg-Klischee-Bild lebt von solchen Profit geilen Pfeffersäcken.

Sie schreibt in ihrem Weblog:

Praxisgebühr: Entgegen vielfältiger Meinungen ist die Praxisgebühr keine Einkommenserhöhung für die Ärzte. Sie sind nur die Geldeintreiber für die Krankenkassen.
Denn: jeder Praxisgebühr-Euro den sie einnehmen wird vom Honorar wieder abgezogen. > diese 10 Euro sind eine Beitragserhöhung der Kassen, nix anderes. Und keiner weiss bis jetzt, wo das Geld bleiben wird.
Fazit: schimpft nicht eure Ärzte/Zahnärzte, die sind zwangsweise Erfüllungsgehilfen, können sich, da es ein Gesetz ist, nicht dagegen wehren, und bekommen diese Leistung nicht mal anständig vergütet.
Bundesdeutsche Ärztewirklichkeit *grmpffffffff*


Mir kommen die Tränen: Die armen Ärzte als ohnmächtige Inkasso-Gehilfen für die angeblich so mächtigen Krankenkassen - für wie doof hält diese Manipulateuse eigentlich ihre Leser?
Geht die Praxis-Eintrittsgebühr in die Kaffee-Kasse der Krankenversicherungen - oder wie? Natürlich nicht. Letzlich fliessen diese Gelder in den eh schon gigantisch großen JackPot des Medizinbetriebes - also in die Portmoneys der Ärzte - ob nun über 1, 2 oder 3 Ecken. Oder auch 4.

Im Kontrast dazu, was Ärzte selbst dazu sagen, die auch am Patienten und am Gemeinwohl interessiert sind:

Ein paar Textauszüge aus dem "Rundbrief" Nummer 2, 2003 des Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte (VDÄÄ) (Ich zitiere):

"Stern 14/2003 Seite 196

Chronologie eines kleinen und dennoch standesärztlich unverzeilichen Tabubruchs

Einige Ärzte machen aus ihrem Einkommen kein Geheimnis mehr. Ihren protestierenden Kollegen raten sie: Hört auf zu jammern

„Wir verdienen genug"
Eine Nullrunde für Ärzte – seit Gesundheitsministerin Ulla Schmidt diesen Plan verfolgt, schreien Deutschlands Kassenärzte auf. Das werde die Doktoren ruinieren, barmte ihr Verbandschef Manfred Richter-Reichhelm. Ein Münchner Hautarzt klagte öffentlich: „Jeder Friseur verdient in 20 Minuten mehr als wir."

Ärztliche Einkommen
Erni Balluff, Hausärztin aus Frankfurt, kann sich über so viel Scheinheiligkeit „richtig ärgern". Schließlich verdienen wir immer noch gut". Den Ärzten, die sich mit Streiks, Boykotts und Demonstrationen gegen die zaghaften Sparbemühungen wehren, attestiert die 58-Jährige Wahrnehmungsstörungen: „Das ist Jammern auf hohem Niveau." Zum Beweis legte sie dem stern ihre Steuererklärung 2001 vor. Brutto blieben der Ärztin 87000 Euro Gewinn, macht ein Monatsgehalt von 7.250 Euro brutto für eine 40- Stunden-Woche. Ein Friseurmeister verdient 1.800 Euro.

Zeit für Patienten nehmen
Dabei nutzt Frau Doktor Balluff keinen der Tricks, die das Gesundheitssystem zulässt. Sie kuriert im kleinbürgerlichen Frankfurter Nordend. Ein störanfälliger Aufzug bringt die Patienten in die Praxis im zweiten Stock, die sie zusammen mit zwei Kollegen betreibt. Man teilt sich die Kosten und den kleinen Gerätepark: ein EKG, einen Lungenfunktions- und einen Inhalationsapparat für Asthmatiker und Bronchialkranke.

Frau Balluff ist Ärztin aus Leidenschaft. Sie nimmt sich Zeit für ihre Patienten – obwohl Redezeit mies vergütet wird. Auch bei Medikamenten hält sie sich an die Sparvorschriften.
Großzügig darf sie nur noch bei Privatpatienten sein, deren Versicherung mehr bezahlt. Doch die wohnen meist nicht in Frankfurt-Nordend, nur etwa 15 Prozent der Einnahmen machen die Privathonorare aus. Der Haupterlös stammt von rund 1.100 Kassenpatienten, die jedes Quartal ihre Chipkarte vorlegen. Zusatzleistungen, die die Patienten aus eigener Tasche bezahlen müssen und die viele Kassenärzte als lukrative Nebenerwerbsquelle entdeckt haben, bietet Balluff nicht an: „Die schleichende Umwandlung der Praxen in Verkaufsstätten" missfällt ihr.

Boykotthaltung einer Berufsgruppe
Erni Balluff ist das Lobbyistengeschrei der Ärztefunktionäre peinlich – wie allen ihren Kollegen im Verein Demokratischer Ärztinnen und Ärzte (VDÄÄ). Die 800 Mitglieder wollen nicht mitmachen bei der „zunehmenden Kommerzialisierung des Arztberufs". Die Abzocke vieler Kollegen lehnen sie ab. VDÄÄ-Bundesvorsitzender ist Winfried Beck, 60, Orthopäde in Frankfurt-Seckbach, 130 000 Euro Bruttoeinkommen. Er schämt sich für die Boykotthaltung einer Berufsgruppe, die sich in einer „hochprivilegierten Situation" befinde. „Als Vertragsärzte der Kassen sind wir stärker gegen Wirtschaftsflauten gefeit als andere Selbstständige." Natürlich weiß der VDÄÄ-Vorsitzende, dass es „auch arme Mediziner gibt". Verlierer des Systems sind unter den niedergelassenen Medizinern vor allem Landärzte im Osten und Hausärzte in sozialen Brennpunkten.

Autoritätshörige Klienten sind pflegeleichter
Beck begrüßt viele der angedachten Reformen, etwa die Leistungsüberwachung von Ärzten oder die geplante Kontrolle regelmäßiger Fortbildungen. Auch die umstrittenen Desease- Management-Programme, wonach chronisch Kranke nach wissenschaftlich fundierten Leitlinien behandelt werden müssen, findet er richtig: „Unsere Kassenärztliche Vereinigung hat solche Innovationen und Reformen bisher blockiert. Unter dem Argument ‚Therapiefreiheit' fordert sie, dass jeder weiter seinen Mist machen darf."

Hier sieht Beck auch die Patienten gefordert, die als aufgeklärte Verbraucher auftreten müssten. Er ahnt, dass es manchen Kollegen davor graust: „Autoritätshörige Klienten, die nicht am Halbgötterimage kratzen, sind pflegeleichter." Was rät Beck Patienten gegen streikende Ärzte? „Den Arzt wechseln oder klarstellen: Ich kämpfe nicht für Ihr höheres Einkommen."

Brigitte Zander

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Ebenfalls aus dem Rundbrief Nummer 2, 2003 des VDÄÄ

Beck: „Kassenärztliche Vereinigungen im Kampf gegen Abzocker und Flaschen gescheitert"

Interview mit Dr. Winfried Beck, Vorsitzender des Verbandes der demokratischen Ärztinnen und Ärzte (VDÄÄ)

Facharzt.de: Herr Beck, ist es richtig, dass Sie Ihre Zulassung abgegeben haben und eine Privatpraxis betreiben?

Dr. Winfried Beck: Nein, ich habe meine Praxis vor sechs Monaten verkauft und mache seitdem nur noch Gutachten für die Sozialgerichte. Außerdem lehne ich Privatpraxen grundsätzlich ab. Warum? Weil mir meine Ausbildung von dieser Gesellschaft bezahlt wurde – und zwar die teuerste Ausbildung, die es gibt. Es wäre nicht angemessen, nur noch ein Zehntel der Bevölkerung zu behandeln.

Aber Ihre Praxis frühzeitig verkaufen konnten Sie trotz teurer Ausbildung?

Ich konnte nach 9 Jahren Klinik und 26 Jahren Praxis psychisch nicht mehr, war ausgebrannt. Außerdem hatte sich, als ich einen Nachfolger für meine Praxisgemeinschaft suchte, ein Ehepaar gemeldet, was mir einen guten Preis für beide Praxen geboten hat. Diesen Preis hatte ich nicht erwartet, da habe ich zugeschlagen.

Sie beschreiben die Situation der Ärzte als „hochprivilegiert". Mit einem Burnout-Syndrom sind Sie sicherlich nicht der einzige unter Ihren Kollegen. Würden Sie das wirklich als „hochprivilegierte Situation" bezeichnen?

Meine Frau ist Sozialarbeiterin, hat einen noch viel härteren Job und verdient einen Bruchteil von dem, was Ärzte verdienen. Ich will mich ja nicht mit Managern vergleichen, sondern mit Berufsgruppen, die am Menschen arbeiten. Und da gibt es niemanden, der privilegierter ist.

Gehört dazu auch, dass der Vertragsarzt rund ein Viertel seiner Leistung ohne Bezahlung erbringt?

Das ist völliger Quatsch. Wir Ärzte müssen das Komplexhonorar, den Durchschnittswert sehen, der am Ende des Quartals herauskommt. Es ist ein Fehler, auszurechnen, wieviel man für welche Leistung bekommt. Wenn ich zehn Patienten habe, die Einlagen brauchen, dann habe ich für diese zehn furchtbar viel Honorar bekommen – viel zu viel ! Dafür kommen wiederum andere Patienten, bei denen ich drauflegen muss. Entscheidend ist, was am Ende rauskommt.

Nochmal zur „hochprivilegierten Situation": Sie haben Ihre Praxis, wie sie sagten, sehr gut verkauft. Wenn der Gesetzentwurf von Ulla Schmidt in der jetzigen Form realisiert wird, werden viele Kollegen ihre Praxis nicht mehr verkaufen können.

Da kann man jetzt natürlich sagen „der hat gut reden". Das ist sicherlich nicht schön, aber wir können das Gesundheitswesen nun mal nicht danach gestalten, was den Ärzten nutzt, sondern müssen das Gemeinwohl in den Vordergrund stellen. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass es Entschädigungen für die Ärzte geben muss, die ihre Praxis nicht mehr verkaufen können. Das wäre auch sicherlich vorm Verfassungsgericht einklagbar.

Was halten Sie generell von dem Gesetzentwurf aus dem BundesMinisterium für Gesundheit?

Ich befürworte uneingeschränkt ein Institut für Qualität in der Medizin, weil die Ärzteschaft nicht in der Lage ist, die Qualität zu steuern. Sowohl bei der Bundesärztekammer als auch bei den Kassenärztlichen Vereinigungen stehen andere Interessen im Vordergrund. Deswegen muss diese Aufgabe von einer unabhängigen Institution übernommen werden, wie es beispielsweise in den USA und Schweden gehandhabt wird. Auch ein Einzelvertragssystem halte ich für sinnvoll. Denn die KV hat es nicht geschafft, zwei Sorten von Ärzten das Handwerk zu legen:
Zum einen den Abzockern, die hemmungslos die Gebührenordnung ausnutzen, zum anderen den „Flaschen", also den qualitativ schlechten Ärzten. Das ist nur zu schaffen, wenn Konkurrenz herrscht. Den Erstzugang zum Allgemeinmediziner befürworte ich ebenfalls, weil eine doppelte Facharztvorhaltung – in Klinik und Praxis – ein nicht mehr zu bezahlender Luxus ist. Damit wird im Grunde das fachärztliche Tun auch aufgewertet. Ich musste als Orthopäde oft Hausarztfunktion übernehmen, beispielsweise bei Patienten mit leichten Rückenschmerzen. Dafür bin ich eigentlich überqualifiziert.


Sie sagten, eine reine Privatpraxis lehnen Sie ab. Wie steht's mit IGeL?

Davon halte ich genauso wenig. Wenn eine Leistung notwendig ist, dann muss sie in den GKV-Katalog.

Es sind mit Sicherheit nicht alle Leistungen, die notwendig sind, im Leistungskatalog der GKV.

Wenn eine Leistung nicht im GKV-Katalog ist, dann sollte ich sie auch nicht anbieten. Das führt zu einer Zwei-Klassen-Medizin.


Auch wenn es sinnvolle Leistungen sind wie Hautkrebsvorsorge, Glaukomvorsorge etc.?

Mir persönlich fällt keine Leistung ein, die sinnvoll ist und nicht im Leistungskatalog steht. Oft wird von den Ärzten ja auch nur behauptet, die Kasse würde eine Leistung nicht bezahlen, damit Sie privat abrechnen können. Genau hierfür brauchen wir im Übrigen die staatliche Qualitätskontrolle. Wenn dieses geplante Institut für Qualität in der Medizin entscheidet, eine Leistung gehöre nicht in den GKV-Katalog, dann gehört sie da auch nicht rein. Dann sollte sie auch nicht als Kostenerstattung angeboten werden.

Dann habe ich als Patient keine Chance, frei zu entscheiden, ob ich eine Hautkrebsvorsorge machen möchte?

Genau, denn das würde wiederum zu einer Zwei-Klassen-Medizin führen, da viele Menschen aus finanziellen Gründen gar nicht die Wahl haben, sich für eine solche Leistung zu entscheiden. Warum sollten Sie diese Wahl also haben. Und sobald ein Verdacht auf Hautkrebs besteht, wird die Leistung ja von der Kasse bezahlt.

Ich nehme an, ein Kostenerstattungssystem halten Sie ebenfalls für unsozial?

Ja, die Kostenerstattung lehne ich völlig ab. Dabei wird doch nur der Punktwertabsturz auf die Patienten abgewälzt. In der Begegnung mit meinen Patienten will ich nicht an Geld denken müssen, geschweige denn darüber reden. Ärzte, die Kostenerstattung fordern, wollen sich aus der Gesamtverantwortung ausklinken nach dem Motto „Hauptsache, ich bekomme mein Geld – was der Patient am Ende von der Kasse erstattet bekommt, ist mir egal."

Sie würde aber das Kostenbewusstsein der Patienten enorm stärken.

Patienten mit einer „Freibiermentalität" habe ich nur sehr selten erlebt. Und gerade bei bedürftigen, wirklich kranken Patienten würde ich mich schämen, über Geld zu sprechen.

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Ende der Textauszüge aus dem RundBrief 2/2003 des VDÄÄ

Sonntag, Februar 01, 2004

Deutsche Ärzte sind Röntgen-Weltmeister

Mehr als 2000 Deutsche pro Jahr erkranken durch Röntgenuntersuchungen an Krebs.

Medizinische Geräte sind die größten künstlichen Verursacher von Röntgenstrahlung

Deutschland ist Weltmeister bei der Anzahl der RöntgenUntersuchungen pro Einwohner und auch in Sachen Strahlendosis absolute Spitze: Die durchschnittliche jährliche Strahlenbelastung pro Kopf ist doppelt so hoch wie in Frankreich und sogar viermal so hoch wie in den USA.

"In München gibt es mehr Computertomographen als in ganz Italien"

"Wer skrupellos ist, verdient sich eine goldene Nase"

"Viele Mediziner würden so viele Röntgenuntersuchungen wie möglich durchführen, um ihre Kosten zu decken - auch wenn die Risiken bekannt seien."

Hinzu kommt eine Besonderheit des deutschen Gesundheitssystems, die zu Missbrauch geradezu einlädt: "Bei uns darf im Prinzip fast jeder Arzt röntgen", sagt der Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft. "Etwa 70 Prozent des normalen Röntgens finden nicht in der Radiologie statt."


Gelesen bei www.spiegel.de

Wenn dieses Land unbedingt Weltmeister sein will - muss es doch wirklich nicht in der Disziplin des Tötens und Krankmachens sein (Der Tod ist ein Meister aus Deutschland), und wenn sogar der Chef der Röntgengesellschaft dafür ist, dass nicht jeder Hans und Franz, nur weil er ein Dr.med. vor seinem Namen hat, die Bürger mit Röntgenstrahlen beschiessen darf - kann man denn da nix machen? (Soll und muss, sowieso).